%\*6, * "" pERSUCHUNGEN Zll angestellt in der physiologischen und vergleichend - anatomischen Anstalt der Universitat Freiburg nebst einer . ' ¦ ¦ GESCHICHTE IMD BESCHREffilMG dieser Institute. Aierhundertjahrigen Jubelfeier der Albert Ludwigs - Umversitat V ¦ Dr. Bk Director des physiologischen und zootomischen Insti Mit 2 Tafeln. iretburg i fl. Friedrich Wagner'sche Buchhandlung. 1857. ¦ ' ¦.•.'-.; ' Seite I. Geschichte der physiologischen und vergleichend-anatomischen Anstalt der Universitat Freiburg, von A. Ecker................ . i II. Untersuchnngen zur Ichthyologie. i) Ueber den wahrscheinlichen Accomodationsapparat des Fischauges, von Wilh. Manz aus Freiburg 17 1 2) Ueber den feinern Bau des Gehororgans von Petromyzon und Ammocoetes, von Hubert Reich aus Freiburg . . . ........ . . _ . .•'..:. 24 3) Aechte Zwitterbildung beim Harpfen, von A. Ecker . . . . . . . . .28 4") Die Nerven-Endigungen im elektrischen.; Organ der Mormyri, von A. Ecker . "... . . » . 29 I. der physiologischen und vergleichend - anatomischen Anstalt der Universitat Freiburg. Yon A. Hcker. bo wie wir das Gewordehe in der Natur nur dann vollkommen verstehen, wenn wir das Werden, die Entwicklungsgeschichte desselben kennen, wie wir einen Charakter nur dann richtig beurtheilen, wenn seine Lebensgeschichte offen vor uns liegt, so legen wir gewiss auch nur dann den fichtigen Massstab an irgend eine menschliche Schbpfung, wenn wir die Geschichte derselben kennen. Momente, wie- der gegenwartige, in dem wir die gliickliche Vollendung des 4. Jahr- hunderts unserer Universitat feiern, sind es aber ganz besonders, die uns auffordern, unsern Blick riickwarts zu wenden, urn zu sehen, wie das, was ist, geworden. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend habe ich es versucht, im Folgenden eine kurze Entwicklungsge- schichte der meiner Leitung anvertrauten Anstalten, der physiologirschen und der ver- gleichend - anatomischen, zu geben. Wir haben zwar kein neues Gebaude einzu- weihen, wie unsere gliicklichere, um ein Jahr altere Schwester an der Ostsee, wir haben nicht einmal einen Grundstein zu einem solchen zu legen; das 5. Jahrhundert unserer Uni- versitat trifft den Anatomen und Physiologen in deroselben Hause, in dem ihn das 4. traf und unsere Verhaltnisse sind klein. Aber klein und gross sind relative Begriffe und ich hoffe, dass man dieselben weniger klein finden und jedenfalls billiger beurtheilen werde, wenn man erst ihre Geschichte kennt. Ich rechne bei einer solchen Darstellung allerdings zunachst nur .auf das wohlwollende Interesse Derjenigen, welche unserer Universitat angehbren oder ihr angehort haben, sei es als Lehrer oder als Schuler. Innerhalb dieses Kreises wird, wenig- stens im jetzigen Momente, gewiss jedem Stuck Geschichte unserer Anstalt, auch dem klein- sten, gerne eine Berechtigung zugestanden werden. Dann spiegelt sich aber doch auch in den kleinsten Verhaltnissen der Gang der Geschichte im Grossen, und das verleiht auch Klei- nem und Speciellem ein hbheres und allgemeineres Interesse. Auch der ferner Stehende wird den siegreichen Kampf der Naturwissenschaften,. der das grosse Ganze bewegt, und das stele Fortschreiten derselben auch auf diesem kleinen Felde nicht ohne Theilnahme erkennen. Die Quellen, aus denen ich schopfte, sind die Akten und Protokolle des Senats und der Fakultat. Leider sind die Protokolle der letztern vollstandig nur etwa von den 70er Jah- ren des vorigen Jahrhunderts an vorhanden und auch der Aktenstucke aus fruherer Zeit sind es sehr wenige. Nach Allem zu urtheilen scheint uns aber ein sehr grosses Material dadurch nicht zu enlgehen und die erste Halfte des jetzt ablaufenden Saculum werden wir auf unserm Gange rasch durchschritten haben. __ 2 __ 1m Anfange des vorigen Jahrhunderts und schou von der Zeit des 3Ojahrigen Krieges her bestaud die medioinische Facullat nur aus zwei Professoren, Einem der Institutionen und Einem der praktischen Medicin. 4) Die Lehrstiihle der Facultat waren in Folge der durch die langen Kriege zerriitteten fiuanziellen Verhaltnisse der Universilat allmahlig auf die obenge- nannten zwei reducirt worden und in anderen Facultaten sah es jedenfalls nicht viel besser aus. — Im 18. Jahrhundert suchlen die Breisgauischen Landstande 2) alle Mittel auf, der gesunkenen hoheu Schule, welche sie als das Palladium des Landesgliicks betrachteten, wie- der aufzuhelfen und bewilliglen im Jahre 1716 zu dem schon vorhandenen Wein-Umgeld noch ein neues Sechstheil (sexlum obolum) auf jede in dem breisgauisch - ostreichischen Gestade zu consumirende Maas Wein, und Kaiser Karl VI. bestaligte dies (1717) mit der ausdrucklichen Bestimmung, dass die aus dem sextum obolum angesammelte Summe aus- schliesslich ,,ad erigendas deficientes cathedras1' verwendet werde. Aus dieser Steuer konnte eine Auzahl Professoren salarirt werden und im Jahre 1748 wurde uater Anderem auch die anatontische Kanzel, nachdem dieselbe wohl 100 Jahre leer gestanden halte, wieder beselzt und der neu ernannte Professor (extraordinarius), Dr. Franz Ferdinand von Mayer aus dem genannten sexlo obolo besoldet. Mayer hatte anfangs zugleich auch die Professur der Chirur- gie inne; im Jahre 1755 machte jedoch die Facultat den Vorschlag, einen besondern Chirur- gus anzuslellen, der im Winter die Stelle eines Prosector vertreten und im Sommer ,,denen tyronibus die Bandagen und operationes chirurgicas vorwefsen konnte." im Jahre 1759 finden wir bereits einen solchen Prosector von den Landstanden angestellt uud in dem schriftlichen Verzeichniss der Vorlesungen dieses Jahres geuannt. Schon fruher (1754) war ein dritter Professor ordinarius, namlich fur Materia medica, angestellt worden. Im Jahr 1759 wurden Lehrsliihle fiir Bolanik und Chernie Qedoch ohne Garten und Laboratorium) und ftir gericht- liche Medicin 3) errichtet und die beiden ersteren dem Professor der materia medica und der letztere dem der praklischen Medicin iiberlragen. *) Fur die Physiologie einen besondern Lehrstuhl zu erriehten", hatte man in dieser Zeit noch nicht das Bedurfniss. Es bildete diese Wissenschaft jetzt noch, wie fruher, einen Bestandtheil der Institutiones medicinae.5) Dage- gen betrieb die Facultat mit grossem Eiler andere Verbesserungen, sie drang 6) auf Wieder- ') Instilutiones comprehendunt notitiam omnium rerum, quae ad conservandam sanitatem et curandos mor- bos requiruntur; praxis est illorum___deductio in actum in praesente aegro (Boerhaaye praelect. acad. vol. I.) 2) S. Gruadlinien der Geschichte der Albertin. hohen Schule. Freiburg 1806. 4. 3) Schon im Jahr 1755 hatte die Facultat in einem Bericht auf die Errichtung dieser Lehrkanzeln und die Bezahlung d'erselben aus dem sextum obolum angetragen. Sollte dies nicht ausreichen, Mso moge man", heisst es, «der Universilat ein Privilegium erwirken, kraft dessen jede Haushaltung in Vorderostreich jahrlich einen von der hiesigen hohen Schule gedruckten Kalender zu'erkaufen gehalten \vurde." 4) Nacli einem Catalog vom Jahr 1759 las 1) der Professor praxeos von November bis Mai ttber die Aphorismen des Boerhaave; vom Juni bis Bartholomae fiber Medicina legalis; 2) der Professor-materiae me- dicae vom November bis April uber Materia medica nach Linne, vom April an Einleitung in die Botanik und vom Juni an uber Chemie und machte daneben botanische Excursionen. 3) Der Professor institutionum las das ganze Jahr durch fiber die Institutionen des Boerhaave; 4) der Professor anatomiae vom November bis April die Anatomie in praeparatis, und wenn es sich thun lasst, auch in cadaveribus. Der Prosector las von Ostern bis Johanni fiber Bandagen und Operationen. ' ') In einem Methodus docendi vom Jahre 1761 heisst es: 1) Traduntur institutiones medicinae duobus annis ef exponuntur in physiologia, quae necessaria sunt pro cognitione elementorum, temperamentotum etc." 6) Facultatsbericht vom Jahre 1765. Tf herstellung eiues lauglicheren Theatrum anatomicum und botanischen Gartens, die beide im Laufe der Kriegszeiten zerfallen und fur die Universitat verloren gegangeh waren, auf Er- richtung eines chemischen Laboratoriums, eines Nosocomium praeticum, eines Naluralien-, insbesondere Mineralienkabinets zum Behuf der Vorlesungen iiber Materia medica, auf An- stellung eines Lehrers der Geburtshilfe; ,,auch sollte", heisst es weiter, nder Professor der Institutionen oder ein Anderer den Sommer hindurch die in die Physiologie einschlagenden Experintenta physica zeigen." *} — Erst vom Jahre 1774 an ist von einer besondern Lehr- kanzel der Physiologie die Rede, die in dem genannten Jahre (zusammen mit der der Ma- teria medica) dem Carl Georg Stnravasnig 2) (geboren 1748 in Krain) tibertragen wurde, welcher diese Stelle bis zum Jahre 1786 inne gehabt zu haben scheint. In diesem Jahre (Staravasnig's Tod erfolgte erst im Jahr 1792) wurde dem Professor der Anatomie 3) F. C. Gebhard Qjeboren zu Mainz 1733) auch die Professur der Physiologie iibertragen und sein Titel in den eines Professors der Physiologie und hohera Anatomie umgewan- delt. ?) — Von dieser Zeit an entwickeltesich ein eigenthumliches Yerhaltniss zwischen dem Professor der Physiologie und dem der Anatomie, welches bis in die neuere Zeit forlbestan- ') ,,Auf solche Art", schliesst der Bericht, ,,konnten leicht die medic, tyrones, die zu Slrassburg alle Worter der Professoren erkauffen miissen, bald nacher Freiburg gezogen und anderwarts her der ZuIauiT der Auditorum vermehrt werden, besonders wenn in Sladt und Land denen Apothekern, Barbieren, Badern, Heb- ammen, Schultneistern und Henkern das argerliche Practiciren eingestelll wurde." •) Seine, wie ich glaube, einzige Schrift, durch die er sich einen mehr als zweifelhaften Ruhm erworben, ist die Abhandlung von dem ausserordentlichen Fasten der Maria Monika Mutschler; lster Theil. Freiburg 1780. 8. 2ter Theil. Wien 1782. 8. — Slaravasnig war mit Gebhard nach Duningen bei Roth- weil a. N., wo diese Person der Angabe nach seit geraurner Zeit ohne Speise, Trank und Schlaf leben sollte, von der medicinischen Facultat abgeschickt worden, urn diese wunderbaren Angaben zu priifen. Wie-die De- putirten diipirt wurden, ist im I. Theil des genannten Buches zu Iesen. — ^Einmal war ich", sagt'Staravasnig (Seite 25), ..vorwitzig, ob Monika von Tag zu Tag gar nicht abnehme und wenn sie abnimmt, wie es alien Umstanden nach richlig sein muss, wie viel sie von Zeit zu Zeit abnehme. Ich hoti'le dies leicht bestitnmen zu konnen, wenn man die Monika taglich einmal oder doch wenigstens alle 7 — 8 Tage zu gewissen Stunden abwagen wollte. Man hatte aber keine taugliche AVage bei der Hand, und man widersetzte sich auch mit Ernst (sic) solchen Versuchen, die der elenden Kranken, der Ohnmachten wegen, die sie leicht befallen, gefahrlich werden konnlen. Es war billig, dass ich von meinem Vorhaben abstund." Dieser einzige gufe Gedanke in dem ganzen Buche wurde nicht ausgefiihrt, die, Belriigerin trieb ihr Wesen vor wie nach und Staravasnig schliesst den I. Band mit dem Ausspruch: ,,dass der Zustand der Monika Mutschler, die schon mehrere Jahre nicht isst, nicht trinkt und sehr wenig schlaft, zwar ausserordentlich, doch aber wahrhaft und ganz naturlich sei." — Nachdem auf anderem Wege die Betrfigerin entlarvt worden war und ihre Strafe erhalten hatte, erschien der II. Theil, der nicht mehr das mindesfe Interesse darbietet, da er nur beslimmt ist, die begangenen Fehler, so weit moglich, zu beschonigen. 0 In der Professur der Anatomie folgte auf den. rben genannten Franz Ferd. von Mayer (wahrscheinlich nach einem Provisorium) Joseph Anton Rodecker, der Onkel unseres verstorbenen Hofraths von Rotteck (gestorben 1772 zu Freiburg). Mehrere Praparate von seiner Hand werden noch jetzt im anatomischen Museum aufbcwahrt, andere in einem 1768 erschienenen gedruckten Verzeichniss derjenigen Stucke, nwelche in dem anatomischen Cabinet der hohen Schule zu Freiburg zu sehen sind", existiren nicht mehr. Nach dem Tode Rodeckers ubernanm Gebhard die Professur der Anatomie. ) Der Bestand der medicinischen Facultat im Jahr 1785 war der folgende: Carl Anton Rodecker, Director der medic. Fakultat, prof, emeritus; C. F. Gebhard, Prof, der Anatomie; G. C. Sfaravasnig. Prof, der Physio- logie; Ignaz-Menzinger, Prof, der Botanik und Chemie; Ferd. Peter Morin, Prof, der Pathologie und klinischen Praxis; Mathaus v. Mederer, Prof, der Chirurgie und Geburtshulfe; Benedikt Wullberz, Prof, der Naturgeschichte und der okonomischen Wissenschaften; Ignaz Schmiderer, Trof. der Vieharzneikunde. 1 * a. Lokaie. _ 4 — den hat. Alois Nueffer, derl785 als Assistent der chirurgischen Lehrkanzel angestellt wor- den, wurde 17S9 Prosector. Nach der im Jahre 1797 wegen Krankheit erfolgten Pensionirung Gebhards wurde die Professur der Physiologie und hd'hem Anatomie anfangs provisorisch, dann definitiv (1798) an Dr. Anton Laumayer iibertragen und 1806 Nueffer zum ausserordentlichen Professor mit dem ausdriicklichen Zusatz, dass er dessenungeachtet vom Professor der Physiolo- gie und hohern Anatomie abhangig bleibe, ernannt. Nach Laumayers Tod (1814) wurde die Physiologie provisorisch und 1816 definitiv an Carl Augustin Moser unter Ernennung des- selben zum Professor extraord. iibertragen, jedoch, da Moser bald erkrankte, zuerst von einem Privatdocenten und dann von Professor Schaffroth supplirt.*) Die Anatomie war inzwischen Nueffer ganz zugefallen, der im Jahr 1849 an Franz Anton Buchegger (geboren zu St. Peter 1794) einen Gehilfen erhielt. Im Jahr 1821 wurde Friedrich Sigmund Schultze zum ordentlichen Professor der Physiologie ernannt und ihm auch die Oberaufsicht uber die ana- tomische Sammlung ubertragen. Das Abhangigkeitsverhaltniss des Professors der Anatomie von dem der Physiologie bestand fort, nachdem 1822 nach Nueffers Tode Buchegger zum ausserordentlichen Professor der Anatomie und Pr.osektor ernannt worden war und hdrte voll- standig erst mit dem Jahre 1831 auf, in welch em nach Schultze's Abgang die alleinige Direktion des anatomischen Instituts und der Sammlung fiir pathologische und normale Ana- tomie an Buchegger ubertragen wurde. Mit dem Jahre 1821 sind wir an dem Zeitpunkte angelangt, mit welchem eigentlich eine besondere Geachichle der obgenannten Institute beginnt. Vor diesem Jahre war an hiesiger Universitat physiologischen Arbeiten kein besonderer Platz eingeraumt, die Physiologie scheint eine rein theoretische Vorlesung gewesen zu sein; eine vergleichend anatomische Sammlung fehlte mit einem Lokaie fiir dieselbe ebeufalls und eine Vorlesung uber vergleichende Ana- tomie erscheint im Winter 1821/22 iiberhaupt zum erstenmal, und zwar von Schultze ange- kundigt. Im genannten Jahre wurde die ehemalige Wohnung des yerstorbenen Wirthschafts- administrators Herzog im alten Universitatsgebaude 2) zum physiologisch-anatomischen Laboratorium und zur Aufstellung einer zootomischen Sammlung hergerichtet. Es sind dies die Zimmer zu ebener Erde, welche jetzt der Anatomiediener bewohnt, nebst der Ktiche desselben. Zugleich wurde fur dieses physiologisch-anatomische Laboratorium (vom 1. Juni 1821 an) ein^ Aversum, bestehend in einer jahrlichen Summe von 100 fl., ausgeworfen .zur Bestreitung der Kosten fiir physiologische Versuche und zur Erhaltung von Schullze's kleiner Sammlung fiir vergleichende Anatomie. Schon im Jahre 1822 wurde ein ausseror- 1) Im Jahr 1819 wurde die Physiologie durch die Facultat, die den Missstand einer nicht ordentlichen Besetzung des Faches sehr wohl fiihlte, ausgeschrieben und zugleich' trat man in Unterhandlungen mit Oken, Wilbrand und Lucae (Marburg"), die aber zu keinem Resultate fuhrfen. Dagegen trafen Meldungen ein und darunter eine von Dr. Schonlein in Wiirzburg, welcher auch in der That vorgeschlagen und vom Ministerium (Juni 1819) ernannt wurde. Er nahm jedoch, da er inzwischen in Wiirzburg befordert worden war, seine Zusage zuriick. 2) Das sogenannte alte Universitatsgebaude (friiher Collegium universitatis) beherbergt jetzt die folgenden Institute. Das physiologische Institut und die vergleichend anatomische Anstalt nehmen das dritte Stockwerk des linken oder siidlichen Flugels ein, das physikalische und mathematische Cabinet das zweite, das chemische Laboratorium das Erdgeschoss. Der ganze rechte oder nordliche Fliigel ge- hort dem anatomischen Institut-und dessen Sammlungen fiir normale und pafhologische Anatomie an. dentlicher Zuschuss von 300 fl. bewilligt und im Jahr 1828 ein Assistent angestellt. — Diese . Einrichtung. und die ubrigen Verhaltnisse blieben im Wesentlichen dieselben bis zum Jahr 1832, in welchem F. Sigismund Leuckart als Professor der Physiologie und ver- gleichenden Anatomie an die hiesige Universitat berufen wurde mit der durch Ante- cedentien motivirten Bedingung, keine Privatsammlung mehr za unterhalten und die vorhan- dene gegen billige Vergiitung an die Universitat abzugeben. Im Jahre 1834 wurde dieselbe von der Universitat urn die Summe von 5000 fl. angekauft und zur Aufstellung derselben im III. Stocke des sudlichen (friiher sogenannten philosophischen) Flugels ein Lokal herge- richtet. In diesem hatten sich, soviel ich vernommen, zur Zeit der Jesuiten Auditorien be- funden, wahrend spater das k. k. Bergamt darin seinen Sitz hatte, von dem noch ein Theil des Geriimpels stammte, das zur Zeit der Einrichtung des genannten Lokals dasselbe erfullte. Die Sammlung wurde anfanglich in dem Saale, in welchem jetzt die Skelette der zootomi- schen Sammlung sich befinden und dann, nachdem kurz vor der Versammlung der deutschen Naturforscher in hiesiger Stadt im Jahr 1838 die anatomische Sammlung in diesen Saal translocirt worden war, in eiuem Saale, aus dem jetzt das Auditorium und 2 Arbeitszimmer entstanden sind, aufgestellt. Zugleich wurde das daran stossende Erkerzimmer zum Arbeits- lokale fur Professor Leuckart eingerichtet, und ein zweites kleineres Zimmer gegen den Hof fur den Assistenten. Neben diesem befindet sich die Kuche. Im* Jahre 1833 (Minister. Erlass vom 27. Juli d. J.) wurde zur Bildung und Erhaltung einer vergleichend anatomischen Samm- lung eine Summe von jahrlichen 150 fl. (vom 1. Juni 1832 an") ausgesetzt. Es bestand also nunmehr ein Aversum fur Physiologie mit 100 fl. und fur vergleichende Ana- tomie mit 150 fl. *) Das letztere ist bis heute das gleiche geblieben; das erstere wurde auf Veranlassung des gegenwartigen Direktors (durch Minist. Erlass vom August 1854) auf 200 fl. erhoht. Die Lokalitaten waren noch dieselben, als ich im Jahre 1850 die Direktion der genannten Institute ubernahm. Wahrend mein Vorganger vonSiebold, welcher im Jahr 1845 als Profes- sor derZoologie, vergl. Anatomie und Physiologie, an die hiesige Universitat berufen worden war, es sich zur Aufgabe gemacht hatte, zuerst die zoologische Sammlung in einen gehorigen Stand zu bringen, eine Aufgabe, die er in so vollkommener Weise geldst hat, dass wenige Universitaten gleichen Ranges eine ahnliche werden aufzuweisen haben, war es ihm nicht mehr vergbnnt, ein Gleiches auch fur das physiologische Institut und die zootomische Sammlung zu thun, da er vor Beginn dieser beschlossenen Arbeit im Friihling 1850 einen Ruf nach Breslau erhielt und annahm. Es war daher mir vorbehalten, diese Institute in einer dem Stande der \Vissenschaften mehr entsprechenden Weise umzugestalten. Wenn ich der gestellten Aufgabe weniger vollkommen nachgekommen bin, als ich es selbst gewiinscht und gehofft hatte, so werden die Unzulanglichkeit der Mittel und die Schwierigkeiten, die in alten, fiif neue Zwecke schwer anzupassenden Lokalen gelegen sind, mich wenigstens theil- weise entschuldigen. — Zunachst forderte die Unbequemlichkeit, dass sich die vergleichende anatomische Sammlung sammt Arbeitszimmer im dritlen Stockwerk des einen (linken), das ') Zu wiederholten Malen wurden dem Professor Leuckart ausserordentliche Zuschiisse zu Anschaffungen, namentlich auf einer Reise an das Mittelmeer, im Ganzen wohl im Betrag von etwa 700 fl. bewilligf. — 6 — Auditorium *) dagegen im dritten Stockwerk des gegeniiberliegenden rechten Flugels befand, dringend zur Abhilfe auf, nicht minder der Mangel eines Lokals fur Arbeiten der Studierenden 5 uberdiess war der Raum fiir die zootomische Sammlung viel zu eng. Nur auf eine Weise konnte geholfen werden. Dadurch dass man die Sammlung fur normale und palhologische Anatomie in den III. Stock des gegeniiberliegenden nordlichen Flugels veriegte, gab es Raum auf dem linken Fliigel fiir ein Auditorium und die Sammlung. Dieses Projekt setzte aber nicht unbedeutende Bauten auf dem andern Fliigel voraus, und da die anatomische Anstalt keineswegs mehr den Anforderungen der Zeit entsprach, so tauchte nunmehr das Projekt eines Neubaues auf. Im Jahr 1852 wurden diese beiden Projekte durch den Grossherzogl. Oberbaurath Fischer gepriift, und da das Grossherzogl. Ministerium auf einen Neubau nicht eingehen wollte, der andere vorgeschlagen. Aber auch der Ausfiihrung dieses Umbaues setz- ten sich verschiedene Hindernisse entgegen und im Jahr 1853 erreichte ich nichts weiter, als dass das Lokal der zootomischen Sammlung in ein nicht mehr zu entbehrendes Auditorium umgewandelt wurde, an dessen Wanden ein Their der Weingeistpraparate in Schranken auf- gestellt blieb, wahrend ein anderer Theil in der Vorrathskammer aufgestellt werden musste. Die Skelete wurden im ehemaligen physiologischen Auditorium auf dem^jenseitigen Fliigel aufgestellt. So war nun wenigstens ein genugender und heller Horsaal gewonnen, freilich nur urn den Preis einer totalen Zersplitterung und mangelhaften Aufstellung der zootomischen Sammlung. Nach wiederholten Antragen wurde im Jahr 1856 durch den Grossherzogl. Oberbaurath Fischer eine neue Priifung vorgenommen, der Umbau beschlossen, im Juni 1856 begonnen und in tiiesem Sommer vollendet. — Jetzt uimmt, wie oben erwahnt, das physiologische Ins ti tut und die vergleichend anatomische Anstalt das ganze HI. Stockwerk des linken Flugels ein. — Die Raume2) sind in folgender Weise vertheilt: In den Sal en A und B sind die Sammlung fiir vergleichende Anatomie, die embryologische und anthro- pologische Sammlung, die im Folgenden naher geschildert werden sollen, in passender, wenn auch nicht in glanzender Weise aufgestellt — denn die Sale sind namentlich fiir die grossen Thierskelete viel zu niedrig; das Auditorium (C) ist hell und die grossen Fenster zur Aufstellung von Mikroscopen mit festen Tischen versehen; auf der Terrasse neben dem- selben ist ein Aquarium aufgeslellt. Dann folgen zwei Arbeitszimmer (D und E)} das eine nach ISorden fiir den Direktor, das andere fiir den Assistenten; im ersteren ist in einem Schranke auch die Sammlung mikroscopischer Praparate aufgestellt; beide haben ebenfalls grosse Fenster mit festen eichenen Tischen. Das friihere Arbeitszimmer des Direktors (F) ist jetzt zu einem Arbeitszimmer fur Studierende eingerichtet, in welchem die— selben sich mit mikroscopischen und zoolomischen Untersuchungen beschaftigen konnen. Dasselbe hat in n und s zwei grosse Fenster nach Norden und Siiden mit festen Tischen *) Leuckart las alle seine Collegien im grossen anatomischen Horsaal, dem einzigen ausser dem physi- kalischen und chemischen, der sidi im alten Universitatsgebaude befand. Spater wurde im drilten Stock des nordlichen Flugels in dem Raum, den die anatomische Sammlung eingenommen hatle und jetzt wieder mit ein- nimmt, um das Jahr 1838 ein Auditorium hergerichtet und dieses wurde von meinem Vorganger von Siebold und auch von mir bis zur Herstellung des neuen physiologischen Auditoriums benutzt. J) S. Taf. I. ___ •J ____ und 3 kleineren nach Osten und Siidosten. In demselben befiudet sich zugleich ein grosser Tisch, in Velchem die nachher zu erwahnenden fiir den Unterricht bestimmten Zeichnungen aufbewalirt sind. Das friihere Zimnier des Assistenten (XT) ist jetzt zu einem kleinen Ar- beitszimmer fiir Experimente, Injectionen und chemische Proceduren etc. bestimmt und enthalt die zootomischen Vorrathe in mehreren Schrankem Die Kuche (H) daneben ist zu einem kleinen Laboratorium umgewandelt mit einem Herd und Brunnen und ent- halt die nothwendigen chemischen Praparate. Im ganzen Institut, die Sammlungssale aus- genommen, ist Gasbeleuchtung eingerichtet. — Zu den genannten Lokalitaten kommt dann noch eine Vorraths-, Material- und Glas-Kammer auf dem Speicher, ein recht zweckmassig eingerichteler Thierslall im Hofe und ein zoologisches Aquarium im botanischen Gar- ten. Es sind dies freilich Raumlichkeiten, die mit den Neubauten, wie sie jetzt die Mehrzahl der deutschen Universitaten besitzt, in kciner Weise concurriien konnen, jedoch Raum und Mittel genug zu einer erfolgreichen Thatigkeit gewahren. — Neben der Sorge fiir Herstellung brauchbarer Lokalitaten musste mich auch die weitere b. ins ° ° mente fiir Herstellung der nothigen Uriterrichtsmittel beschaftigen, und vor Allem waren Mikro- Appa scope anzuschaffen. Die Anstalt besass bei meiner Hieherkunft nur ein ziemlich altes Oechsle'sches Compositum und zwei ein'fache, worunter Eines von Zeis. Meine beiden eige- nen Instrumente von Oberhaeuser und Plossl geniigten nicht. wenn ich sie auch hatte wollen zu alien Demonstrationen verwenden. Ich stellte daher ein Gesuch urn Bewilligung eines Extrazuschusses zur Anschaffung voa Mikroscopen, und das Grossh. Ministerium wies durch hohes Rescript vom 4. April 1851 eine Summe von 600 fl. zu dem genannten Zwecke an. Jetzt sind ausser den genannten 7 Mikroscope vorhan^en, namlich ein grosses von Ober- haeuser, ein mittleres von Plossl, ein ditto von Kellner, zwei kleine von Schiek, ein millleres von Nachet, ein Plossl'sches Arbeitsmikroscop, und so konnten nun seit dem Jahre 1852—53 auch regelmassige mikroscopische Uebungen der Studirenden gehalten werden, was bis dahin wegen Mangels einer genugenden Zahl von Instrumenten nicht wohl thunlich ge- wesen war. — Was die physiologischen Apparate belrifft, so fehlten solche bei meiner Hieher- kunft mit Ausnahme einer Volta'schen Saule eigentlich vollstandig, und es wird daher in Be- riicksichtigung des geringen Aversum's von 100 fl., das erst rait dem Jahre 1854 auf 200 fl. erhoht wurde, nicht auffallen, dass in.dieser Beziehung nicht mehr geschehen ist. Ueber- diess gewahrte der Umstand, dass das physikalische Cabinet iin gleichen Hause sich befindet, und dass Professor Miiller in der freundnachbarlichsten Weise dessen Beniitzung gestattete, dem Lehrer der Physiologie eiuen grossen Yortheil und machte die Anschaffung mancher Instrumente unnolhig. — Unler den Apparaten sind zu nennen: einige Induktionsapparate, worunter ein Dubois'scher Schfittenapparat, ein Kymographion, ein Wheatstone'sches und Dove'sches Stereoscop, eine Camera obscura und kiinstlichcs Auge, einige Augenspiegel (von Ruete, Helmholtz, Coccius) einige Apparate zur Illustration der Lehre vom Blutlauf, des Atheinmechanismus und des Mechanismus der Stimme, Apparat von Norremberg zur Demonstration der subjecti- ven Farben etc. — 8 — C. Verglei- chend ana- tomiscVie Sammlung. Eine besondere vergleichend anatomische Sammlung hat vor der Hieherkunft Leuckart's nicht bestanden und namentlich scheint von einer in den Akten mehrfach erwahnten Schultze'schen Sammlung Nichts hiergeblieben zu sein. DasEinzige, was vor dem Ankauf der Leuckart'schen Sammlung an zootomisch'en Praparaten existirle, befand sich in der anatomi- schea Sammlung und besland, wie aus einem bei den Akten des zootomischen Cabinets be- findlichen Verzeichniss von der Hand des Professor Buchegger hervorgeht, um das Jahr 1834 aus 73 Praparaten, worunter nur 7 Weingeistpraparate. Die ubrigen 66 Nummern sind Skelete und Schadel. Von Ersteren das vom Maulthier, Schaaf, Hund, "Wolf, Fuchs, Dachs, Katze, Marder, Mis, Haase, Meerschweinchen, Eichhornchen, Ratte, Fledermaus, 2 AfFen (Inuus UQd Cercopithecus), Adler, Eule, Sperber, Rabe, Auerhahn, Haushahn, Welschhahn, Pfau, Storch, Kranich, Schwan, Taube. Von Schadeln: Der vom Reh, Hirsch, Pferd, Schwein etc. Diese meist noch vorhandenen Stticke bildeten den Anfang der ver- gleichend anatomischen Sammlung. Dazu kam dann die schon oben envahnte Leuckart'- sche Privatsammlung, iiber deren Bestand beim Uebergang an die Universitat leider kein Verzeichniss existirt. Jedenfalls bestand noch bei Leuckart's Tode ein nicht unbetracht- licher Theil derselben in unpraparirten ganzen Thieren, insbesondere Amphibien, Fischen und wirbellosen Thieren, die unter seinem Nachfolger von Siebold dem zoologischen Ca- binete einverleibt wurden und zunachst den Reichthum des lelztern begriinden halfen. Wah- rend seiner lOjahrigen Wirksamkeit an hiesiger Universitat hat Leuckart namentlich die Skeletsammlnng sehr bereichert, worin er durch das Geschick unseres Anatomie - Dieners Vogele, der die meisten dieser Skelete fertigte. sehr untersttitzt wurde. Der gegenwartige Bestand der Sammlung, iiber welchen von dem jetzigen Direktor ein vollslandiger Katalog gefertigt wurde, ist der Folgende: I. Osteologische Sammlung. A. Skelete. 1. Von Saugethieren sind'47 Arten reprasentirt, darunter von Affen: Simia satyrus und troglodytes, Hylobates, Semnopithecus maurus, Inuus syivanus und nemestrinus, Cynocephalus ursinus und maimon, Cebus Apella, Hapale Jacchus, Lemur nigrifrons, Stenops gracilis. Von Carnivoren: Procyon lotor, Paradoxurus typus. Felts tigris, Hyaena striata; , Von Beutelthieren: Didelphys myosurus, Dasyurus Maugei, Phalangista ursina, Macropus Billardieri, palliatus und minor; Von Nagern: Pteromys russicus, Arclomys marmotta, Spalax typhlus, Fiber zibethicus, Castor fiber (pull.), Hystrix cristata, Dasyprocta aguti; Von Edendaten: Bradypus tridactylus, Dasypus novemtimtus, Manis javanica; Monotremen: Tachyglossus hystrix, Ornithorhynchus paradoxus; Multungula: Vicotyles torquatus, Tapirus indicus, Hyrax capensis; Solidungula: Equus caballus und Maulthier; Bisulca: Nebst den Hausthieren Bos bubalus, Camelus bactrianus und Auchenia lama; Pinnipedia: Phoca vitulina, barbata, groenlandica, Trichechus rosmarus; __ 9 __ Cetacea: Manatus australis, Delphinus phocaena, Delphinapterus leucas, Ba- laenoptera minor. 2. Von Vdgeln finden sich Skelete von 94 Arten, worunter Buceros malab., mehrere Psittacus- Arten, Aquila brachydactylus, haliaetos, albieilla; Gy- pogeranus serpent., Slrix otus, Crax alector, Otis tarda, Tetrao urogallus, Slruthio. camelus, Grits oinerea, Ardea cinerea, Ibis religiosa, Platalea leuco- rodia, Alca torda, Cygnns olor. 3. Von Reptilien und Amphibien sind etwa 30 Skelete yorhanden, darunter von Chelonia, Chelydra serpentina, mehreren Emys-Arten, Crocodilus niloticus, sclerops und biporcatus, (von einem sehr grossen, von Schimper geschickten Nilkrokodil, welches in der zoologischen Sammlung aufgestellt ist, findet sich hier nur der Rumpf mit dem Schwanz); Varanus bivittatus-(sehr gross); Iguana delicatissima, Pseudopus Pallasii, Python bivittatus, Xenodon rhabdo- cephalus, Trigonocephalus Jararaca, Bufo agua, Pipa tedo, Siredon axolotl, Proteus anguinus. 4. Von den circa 48 Fisohskeleten mache ich nur namhaft die von Lepidosteus, Polypterus Bichir, Amia calva, Acipenser Slurio und stellatus (trocken und in Weingeist), Carcharias glaucus, Gadus callarias, Silurus Glanis etc. B. Schadel. — Sdugethierschadel sind uber 100 vorhanden, worunter 3 Orang- utangschadel, 2 vom jungen, 1 vom alten Thiere; Schadel von Mycetes ursinus, Callitkrix melanochir, Nyctipithecus trivirgatus, Lemur nigrifrons, Stenops tardi- gradus, Galeopithecus, Pteropus, Cladobates tana, Scalpps aquaticus, Ursus malaya- nus und maritimus, Mephitis americana, Lutra brasiliensis, Felis tigris, con- color,. Yaguarundi; von mehreren Arten Didelphys 5 Phascogale penicillata, Pera- meles. lagotis, Phalangista ursina, Hypsiprymnus Grayi, Halmaturus Thelidis, lani- ger; Phascolomys Wombat. — Castor fiber, Cercolabes affinis, Coelogenys paca und fulvus. — Bradypus tridactylus, Myrmecophaga jubata, Hippopotamus am- phibius, Porcus Babirussa, Tapirus americanus, Delphinus delphis, Delphinapterus albicans. — Von Vogeln sind etwa 70 Schadel vorhanden, von Fischen unter Andern die von Gadus Morrhua, Esox lucius, Salmo salar, Conger conger, Cyprinus Carpio, Hypostoma, Tetrodon, Lepidosteus, Acipenser etc. nebst einer Anzahl von Praparaten uber das Primordialcranium in Weingeist. . . C. Von andern Knochenpraparaten sind noch zu erwahnen: von Saugethieren ver- schiedene Becken und Wirbel; vOn Vogeln etwa 30 mehr oder minder charakteristische Brustbeine, Becken von Casuar und Strauss; von Reptilien die Riickenschilde verschiedener Chelouier, Wirbelsaule von Python; von Fi- schen verschiedene, zum Theil Weingeistpraparate uber die Wirbelsaule und die Chorda dorsalis. — II. E\ne zweite Abtheilung bilden die Praparate uber das Nervensystem und die Sinne. — Unter diesen sind zu netanen die Gehirne von einigen 30 Sauge- thieren (z. B. Cercopithecus sabaeus, Innus nemestrinus, Cynocephalus mormon, o — 10 — Cebus capucinus, Lulra vulgaris, Halmaiurus laniger, Didelphys, Arctomys marmotta, Hystrix crislafa, Omithorhynchus paradoxus, Equiis Caballus, Auchenia lama. __ Von Fischgehirnen verdienen Erwahnung die von Garcharias glaucus, Muste- lus laevis, Torpedo Galvani, mehrerer Mormyrusarlen. Ferner finden sich Prapa- rate tiber die elektrischen Organe von Torpedo Galvani, Raja oxyrhynchus, Gym- notus electricus, von mehreren Mormyrusarlen und Malapterurus electricus. — Von Praparaten iiber das Nervensystem wirbelloser Thiere sind erst wenige vor- handen, worunter solche von Squitta Mantis, Aphrodite aculeata, Anodonta cygnea, Aplysia depilans, Eledone moschata, Octopus vulgaris. — Die Sinnesorgane der Wirbellhiere sind etwa in 70 Nummern repraseiitirt. III. Verdauungsorgane. Unter diesen finden sich circa 85 Praparate tiber die Zahne, wovon 58 auf die Saugelhiere kommen. — Hierbei finden sich Zahne von Physeter, Delphinus delphis, Trichechus rosmarus, Backzahne von Elephas africanus, primigenius und Mastodon giganteus; Backzahnschliffe von Elephas' indicus; mehrere Stosszahnschliffe vom Elephanten, unter diesen einer mit einer eingeschlossenen Flintenkugel; ein Schadel von Lepus timidus mit monstros aus- gewachsenen Schneidezalmen. Unter den Reptilien sind die Kopfe mit den Gift— zahnen und Giftdrusen von Crotalus und Trigonocephalus zu erwahnen. Von Fi- schen die Kiefer und Zahne von Sargus, verschiedenen Cyprinoiden, Lepidosteus, Pristis, Carcharias, Raja/ Myliobatis etc. Der Praparate tiber den ubrigen Theil der Verdauungsorgane sind es im Ganzen gegen 200, wovon etwa 80 auf die Saugethiere kommen (worunter die- zusammengesetzten Magen von Delphinus phocaena, Moschus javanicus, Auchenia Lama, Camelus baclrianus, Bradypus tridac- tylus und cuculliger; der Magen mit der Magendruse von Castor fiber, der Ma- gen und Blinddarm von Simia troglodytes, verschiedene Praparate tiber Zotten und Drusen der Darmschleimhaut); circa 60 von Vogeln, 30 von Reptilien, ebenso viel vonFischen (unter diesen einige instruktive Praparate tiber die appendices pyloricae und valvula spiralis). -r- Ueber die Yerdauungsorgane der wirbellosen Thiere sind bis jetzt nur etwa 25 Praparate vorhanden. IV. Die Respirationsorgape sind im Ganzen etwa in 130 Praparalen reprasentirt, unter welchen etwa 30 von Saugethieren (Kehlkopf mit Zungenbein von Mycetes, Kehlkopf mit den Luftsacken von Simia troglodytes, von Cercopithecus sabaeus, Lunge von Delphinus phocaena), circa 50 von Vogeln (oberer und unterer Kehl- kopf und Lunge zahlreicher Arten, dann Bruslbein mit den Luftrohrenwindungen von Grus cinerea, Cygnus musicus), circa 20 von Replilien (Lunge vom Krokodil, Cheloniern, Bufo agua, verschiedenen Ophidiern, theils getrocknet, theils in Wein- geist), von Fischen einzelne Praparate tiber Kiemen und Schwimmblase (acces- sorische Athemorgane von Anabas scandens,' Heterotis, Schwimmblase von Lepidosteus). — ' . V. Praparate tiber das Gefasssystem sind zwar in ziemlicher Anzahl vorhanden, je- doch sind gerade hier noch namhafte Lticken auszufullen. -1- Zu erwahnen sind die Retia mirabilia mystacina (Lckt.) verschiedener Saugethiere, das Interco- — a — stainetz vom Velphin, Herzknochen verschiedener Saugethiere, Injections- praparate des ganzen Gefasssystems verschiedener Saugethiere, Vogel, Amphibien und der Hauptgefasse bei einzelnen Fischen. VI. Von Geschlechts- und Hariaorganen finden sich etwa 100 Pfaparate, unter welchen manche sehr instruktive, die alle zu bezeichnen zu weit fiihren wiirde. VII. Eine letzte Abtheilung bilden die Praparale iiber Haut, Horngebilde, - Hautskelet und besondere Organe. An die zootomische Sammlung, schliesst sich ferner eine kleine zoologische an, welche die Bestimmung hat, die Haupttypen der Thiere, namentlich der Wirbellosen, in charakteristischen Formen zur Anschauung zu bringen. Eine embryologische Sammlung fiir Entwicklungsgeschichte des Men- d- Embryo schen sowohl als der Thiere wurde, iusbesondere fiir die Vorlesungen fiber Ent- sammiung. wicklungsgeschichle angelegt. Den Grundstock derselben bildete eine Sammlung mensch- licher Eier und Embryonen, welche ich durch. die Gefalligkeil sowohl in- als auslandischer Aerzle zum Behuf der Ausarbeitung der Jcones physiologicae erhalten - und der Anstalt zum Geschenk gemacht habe. Dieselbe bildet zusammen mit den zahlreichen Embryonen und Eiern, die bis dahin im Cabinet fiir menschliche Anatomie auf- gestellt waren, gewiss eine der reicheren derartigen Samrnliingen. Dazu kommen Praparate fiber die menschliche Decidua und Placenta, Wachspraparate von Zeiler iiber die Ent- wicklung des Gesichts und Stearinpraparate von H. Meyer fiber die Decidua. Von Sauge- thieren sind vorhanden die Embryonen von Cebns Apella, Erinaceus europaeus, Mustela foina, Canis familiaris, Felts catus domestica, Halmalurus laniger, Lepus cuniculus, Dasypus novemcinctus, Bradypus, Equus Caballus, Bos taurus, Ovis aries, Copra hircus, Cerims capreo- lus; dann zum Theil injicirte Praparate fiber Eihullen, Decidua, Placenta, und Gefassverbin- dung zwischen Mutter und Frucht, vom Igel, Hund, Katze, Schaaf, Kuh; Stearinpra- parate von H.Meyer fiber die Bildung der Keimblase, des Fruchthofs, der Embryo-Anlage, des Amnion, der Allantois etc. Von Vdgeln sind vorhanden Embryone vom Huhnchen, von Falco milvus, Cypselus apus etc. Von Reptilien Embryone vom Krokodil, der Natter, Eidechsen-Embryonen; von Amphibien die Larven von Pelobates, Rana paradoxa, Alytes obstetricans, Rana temporaria, Salamandra maculate, Pipa tedo; Wachspraparate fiber die Entwicklung des Frosches, von der geschickten Hand des gegenwartigen Assisten- ten Dr. Ziegler; von Fischen Eier von Scyllium und Raja, Embryonen mit Nabelschnur und Dottersack von Mustelus, Sphyrna, Spinax acanthias, Squatina vulgaris Torpedo marmorata. — Die Sammlung von mikroskopischen Praparaten, bisher mein Privat-Eigenthum, \^&t jetzt gegen eine Entschadigung an das Institut abgegeben, umfasst circa 300 Praparate PraP-arate- und ist in steter Zunahme begriffen. Die immer Nmehr hervortretende Wichtigkeit der Naturgeschichte des Menschen hat p^"^ mich veranlasst, trolz der Kleinheit der zu Gebote stehenden Mittel auch auf diesen Snm™hIng- Zweig meine Aufmerksamkeit zu wenden und eine besondere anthropologische Sammlung, d. i. eine Sammlung von Raceschadeln, Skeleten, Schadel-Abgfissen und Busten anzulegen, in der Ueberzeugung und Holfnung, dass sich um einen solchen 2* — 12 — Grundstoclf leicht Weileres bei Gelegenheit anreihen und so der Universilat ein neues Unter- ' richtsmitlel erwachsen werde. — Den Anfang dieser Sammlung bildeten einige Schadel, . welche Leuckart durch G. R. Schonlein erhalten hatte; es sind dies 2 Schadel von .Chine- sen, 3 Schadel von Mandschuh-Tartaren,1) 4 Schadel von Malay en, 1 Schadel eines Austral-Negers, ferner derKopf einer agyptischen M u m i e, von Schimper geschickt, und eine ganze Miimie. Dazu kamen 3 Schadel von Botocuden, welche ein Schiiler der hiesigen Universitat, Dr. Keller, der langere Zeit als Arzt in Brasilien lebte und jelzt in Valparaiso sich befindet, der Sammlung bei einem Besuch iiberbrachte; der Schadel eines Mexikaners, in Mexiko ausgegraben, Geschenk einer, hiesigen Dame; ein Malay en- und ein Chine- se n sch a del (von Franck gekauft) und ein Negerskelet (bis daher im anatomischen Cabinet aufgestelll). — Von Schadelabgiissen sind zu erwahnen derdesAvarenschadels der Wiener Sammlung (ein Geschenk des Herrn Professor Hyrtl in Wien), des Flat-head- |j Indianers in der Heidelberger Sammlung, durch Dr. Ziegler gefertigt; A 6 Stuck Schadel- | abgiisse von Robert in Strassburg, von Hofrath Wcrber vor mehreren Jahren fur Vor- f| lesungen iiber Anthropologie angekauft; dann zur Vergleichung Abgiisse des Schadels vom Schimpanse und Gorillo (von Vasseur in Paris). — Von den trefflichen von Launitz1- schen Racen-Btisten sind bis jetzt vorhanden: 1) die vom Neger Abdallah, 2) die eines Amerikaners, 3) eines Juden von Salonich, 4) einer Chinesin. — Ferner ist eine nach einem Schadelabguss von Dr. Ziegler gefertigte Biiste eines alten Peruauers vorhanden. — Zur Vergleichung sind aufgestellt die Blisten vom Orangutang und Schimpanse (von Vasseur in Paris); Hand des -Negers, eines Kindes, eines Affen (Cercopithecus). — Einen nicht unwichtigen Theil der Unterrichtsmittel bildet eine Sammlung von Ze'ich- nungen im grossen Massstab, welche unler der Leitung des Direktors der Maler Joseph Lerch ausgefiihrt hat; es verdankt diese sehr instruklive Sammlung ihre Entste- hurig der folgenden Einrichtuug. Im Jahre 1833 beantragte die medicinische Facultat auf Veranlassung des Professor Leuckart, dass dem damaligen Zeichner Friedlin fur zu ferti- gende anatomische Zeichnungen eine jahrliche widerrufliche Remuneration von 100 fl. aus- gezahlt werde. Dies geschah mehrere Jahre hindurch und zwar in vierteljahrlichen Raten auf vorhergegangene Vorlage einer Anzahl von Zeichnungen (meist 3—4 pro Quartal). Nach Friedlins Tod folgte Maler Lerch in den gleichen Verhaltnissen und erhielt die Re- muneration bis zu Leuckarts Tode im Jahre 1843. Spater wurde von ,,diesem Aversum fur anatomische Zeichnungen" wenig verwendet und erst vom Jahre 1850 an Maler Lerch mit der Anfertigung von Zeichnungen beauftragt. Inzwischen hatte sich in Folge der Nichtverwendung eine Summe von 1100 fl. angesammelt. Diese wurde durch Ministerial- Erlass vom Jahre 1855 capitalisirt, dagegen das Aversum vorlauflg auf 200 fl. erhoht, wovou 100 fl. dem anatomischen, 100 dem zootomisch-physiologischen Inslitut zufallen. Ueberdies wird dieses Aversum nicht mehr in Form einer Remuneration ausbezab.lt, sondern aus demselben werden auf vorgelegte Rechnungen und Anweisung des Direktors die ein- zelnen Zeichnungen honorirt. Bis jetzt sind gegen 300 Zeichnungen vorhanden, wovqn etwa 130 fur Physiologie und feinere Anatomie, 60 fur Entwicklungsgeschichte, 0 Bestimmung von Prof. Retzius. — 13 — 110 fur vergleichende Anatomic. — Schon verschiedene auswaftige Gollegen haben nach Einsicht derselben Copieen einzelner bestellt, was, da ein vollstandiger, illustrirter Ca- talog vorliegt, leicht geschehen kann. — Eine kleine Bibliothek, bestehend aus einigen nothweiadigen Handbiichera und einer Zeitschrift zum Gebrauch des Direktors sowohl als der arbeitenden Studirenden, ist ebenfalls angelegt und soil nach Thunlichkeit vermehrt werden. — So ausgerustet treten diese Institute in das neue Saeculum unserer Universitat. — Wie- viel auch noch fehle, um sie ihrem Zweck vollkommen entsprechend zu machen, sie sind I noch so jung, dass die Anspriiche an dieselben billig nicht zu hoch gestellt werden diirfen; ihre Geschichte wird ihre Mangel entschuldigen. — Mogen sie in dem folgenden Saeculum stets getreue Pfleger finden und wachsen und gedeiuen, wie die Wissenschaften, denen sie dienen! II. angestellt in der physiologischen und vergleichend-anato- mischen Anstalt. I. Mtbtx ten ttJahrfcheiniidjen Sticommcfcations-Siwatat ires V" - * . Von Wilhelm Maaz aus Freiburg. - Die zahlreichen Untersuchungen, welche die Cramer'sche Accommodationstheorie in Be- zug auf den hiebei wirkenden Apparat veranlasst hat, haben insbesondere auch tiber die Art der Befestigung der Linse in der tellerfqrmigen Grube uns eine richtige Anschauung verschaffL Diese Verhaltnisse haben sich als fur die beiden Klassen der Saugethiere und Vogel gleich geltend erwiesen und bleiben nun noch fur die beiden ubrigen Wirbelthier- klassen, Amphibien und Fische zu erforschen. Ich hatte mir die Untersuchung der Letzte- ren zur Aufgabe gesetzt, und lege hier die Resultate meiner Arbeit vor, welche ich im hiesigen physiologischeu Institut unter der giitigen Leilung meines verehrten Lehrers, des Herrn Professor Ecker ausfiihrte. Bei den' Fischen lasst schon die oberflachliche Betrachtung wesentliche Verschieden- heiten der Linsenbefestigung erkennen und eine genauere Unlersuchung zeigt gariz eigen- thiimliche anatomische Verhaltnisse jener Parthie des Fischauges. Wird ein solches Auge von vornher durch vollstandige Abtragung der Cornea und sorgfaltiges Lostrennen der Iris vom Ciliarringe geoffnet, so sieht man die kngelrunde Linse, bis zur Hbhe der Hornhaut hervorragend, umgeben von der vorderen Partie des Glaskor- pers, welcher von der Ora serrata an etwas nach vorn sich wolbt, bevor er. zur tellerfdr- migen Grube einsinkt, somit einen Wall urn die Linse bildet. Fasst man die Linse mit einer Pincette und sucht sie aus ihrer Grube hervorzuheben, so weicht ihre Einfassung zu beiden Seiten zuriick, mit oder ohne Zerreissung eines sehr feinen Hautchens, welches, die oberste Lage jener Einfassung bildend, etwas liber den Rand der Linse gegen deren vorderen Pol hin hereinragt, und man bemerkt dann, dass der Krystallkorper nur an zwei Stellen, oben und unlen, mit dem Glaskorper zusammenhangt. In der Fossa patellaris besteht zwischen der hinteren Kapsel und der Hyaloidea keine V.erbindung, so dass eine JNadel ohne Ver- letzung. hinter der Linse durchgefiihrt werden kann. Untersucht man nun jene Verbindungs- stellen, so erscheihen dieselben von einer gewissen Breite, und beide theilweise mit schwar- zem Pigment bedeckt, in ihrem ubrigen Aussehen jedoch ganz verschiedeh. Die obere prasentirt sich als ein Band, die untere dagegen als undurchsiphtiges Knotchen, jenes ist das Ligamentum quadratum (RosenthaQ, dieses die Campanula Halleri. Lelztere ist das vordere Ende des Processus falciformis, mittelst welcher er sich an die Linse befestigt. Der Processus falciformis im, Auge der Fische ist bekanntlich eine .3 — 18 — Falte der Chorioidea und zwar ihrer Membrana choriocapillaris, welche durch eine Spalte der Retina in den Glaskdrper hineinragend und vom Sehnerveneintritl beginnend, an der unteren Seite des Auges nach vorn lauft. An der Stelle angekommen, wo sich die Cho- rioidea als Iris nach einwarts schlagt, zieht sich jene Falte fadenfdrmig aus, und tragt am Ende dieses Stieles, welcher nach oben gegen die Linse ragt eine verschiedengestaltete An- schwellung, welche am Aequalor der Linse sich ansetzt; diese Anschwellung ist eben die Campanula. Dieselbe hat im Allgemeinen die Form eines rundlichen oder platt- mndlichen Knotchens, welches auf der vorderen. Flache theilweise, an der hinteren ganz von schwarzem Pigment, oft in strahliger Anordnung, bedeckt ist; auf jener bleibt meistens eine kleine Stelle von Pigment frei, welche eine graulich-weisse Farbe besitzt. Die histologischen Bestandtheile der Campanula sind vor Allem die des Processus falcifor- mis —, somit Bindegewebe und elastische Fasern verschiedener Art, welche zusammen ein, meist sparliches Stroma bilden, ferner Blutgefasse, von der Art. centr. retinae stammend, Nerven, welche die Sklera durchbohrend an mehreren Stellen in das Innere des Auges treten, und endlich Pigment in grbsserer oder geringerer Menge. Die fur die Physiologie des Fischauges wichtigsten Bestandtheile der Campanula aber sind ihre Musk elf as em. Nach- dem von den fruheren Autoren die Campanula ihrem ausseren Ansehen und der Consistenz zufolge immer als eine schwammige, pulpose Nervenmasse *) beschrieben worden war, hat Ley dig2) in seiner Abhandlung iiber Haie und Rochen zuerst angegeben, dass in derselben organische Muskelfasern sich befinden; und zwar fand er dieselben in solcher Menge, dass er in seiner vergleichenden Histologie s), die Campanula geradezu als einen organischen Muskel bezeichnet. Jene erste Angabe Leydigs wurde von Stannius4) in seiner verglei- chenden Anatomie fur irrig erklart und die stabchenformigen Kerne, die Ley dig als Muskel- kerne beschrieben, als Etwas ganz Anderes, namlich als jugendliche Linsenfasern bezeichnet. Leydig, welcher seine hierauf beziiglichen Untersuchungen an Individuen aus der Familie der Haie und Rochen gemacht hat, gibt in seinem neueste'n Werke eine Abbildung des von ihm entdecklen Muskels, worin dieser als eine 4eckige faserige Platte, platt auf der Kapsel liegend, dargestellt wird. Was die Vermuthung von Stannius betrifft, so wird dieselbe durch Alles, was wir bis jelzt iiber die Entstehung der Linsenfasern kennen, als irrig erwiesen; es ware auch nicht wohl einzusehen, wie die Linse sich gewissermassen aus einem ausser- halb derselben gelegenen Reservoir mit Fasern versehen sollte. Leydigs Angabe iiber die Existenz von Muskelfasern in der Campanula ist mir durch meine Untersuchungen zur Thatsache geworden; iiber das weitere Verhalten jener aber, besonders ihre Anordnung, habe ich ganz andere Resultate erhalten, und muss nach diesen die Zeichnung, die Leydig ge- liefert, fiir unrichtig hallen. Den besten Aufschluss iiber diese Verhaltnisse erhielt ich bei Unlersuchung der Campanula des Hechts. Andere Fische zeigten ein mehr oder weniger ') Ferd- Chr. Massalien (De ocnJis Scombri, Thynni et Sepiae. Dissert. BeroL 1815) Campanulae massa manifesle pulposa cognoscitur, quod systemati nerveo non alienam teslari posset. 5) Leydig, Beitrage zur mikrosk. Analomie and Entwicklungsgeschichte der Rochen und Haie. Leipzig 1852. S. 26. 3) Leydig, Lehrbuch der Histologie des Menschen und der Thiere. Frankfurt 1857. S. 235. ' '*) Stannius, Handbuch d. Anat. der Wirbelthiere. 2. Aufl. Is Heft. S. 178. __ 4Q __ .i \7 ahnliches Verhalten. Hat man beim Hecht die Campanula vom Processus falciformis, somit von der Ghorioidea getrennt und aus dem anliegenden Glaskdrper hervorgehoben, die untere Partie der Kapsel von der Linse abgezogen und auf einer Glasplalte ausgebreitet, so steht das Kndtchen anfangs senkrecht auf dieser, legt sich aber, weil die Basis zu klein ist, bald urn. Schon bei schwacher Vergrdsserung wird am Bande desselben ein Gefass deutlich, welches mehrere Zweige iiber seine Wdlbung hinaufschickt. Schlitzt man nun mil einer Nadel die aussersten Lagen des Kndtchens der Lange nach auf und legt die getrennten Theile nach beiden Seiten um, so wird zwischen denselben ein weissliches ovales Kdr- perchen sichtbar, welches sich sehr leicht aus jener Hulle herausnehmen lasst. An diesem Kdrperchen hangt, wie ein Stiel, das aus dem Processus faiciformis heranlaufende Hauptner- venstammchen. Befreit man die Hiille mdglichst von Pigment und untersucht dieselbe unter dem Mi- kroskop, so sieht man Bindegewebsfasern, Nerven, Blutgefasse und langliche scharfkontu- rirte Kerne, welche unter sich und mit derLangsacb.se des Kndtchens ziemlich' parallel, und da diese Achse auf der Linsenkapsel senkrecht steht, ebenfalls senkrecht auf die Kapsel verlaufen. Diese Reihen von Kernen liegen also, wenn die Campanula in ihrer richtigen Stellung zur .Linse erhalten wird, nicht platt auf der Kapsel, wie sie Leydig in seiner Abbildung dargestellt hat.. Ihren Verlauf bis an die Kapsel selbst zu verfolgen ist wegen des dort uuentfernbar festhaftenden Pigment nicht mdglich, doch zeigen sich hierin insofern Verschiedenheiten, als dieKern-Reihen beim Hecht z. B. stark convergiren, wie um sich an einer kleirien Stelle der Kapsel zu vereinigen, wahrend sie bei andern Fischen in mehr divergi- renden Richtungen gegen die Linse hinziehen. Die Kerne, bei verschiedenen Fischen von verschiedener Grosse, und meistens recht schdnvstabchenformig, werden im Allgemeinen durch Essigsaure deutlicher, wodurch die Ansicht, dass sie organisqhen Muskelfasern angehdren, sehr untersttitzt wird. Diess ist aber durchaus nicht bei alien der Fall, wie ich selbst an- fangs gemeint hatte. Man sieht namlich dfters solche Kerne auf Streifen liegen, welche bald auseinander laufen, bald neben einander hinziehen, und welche erne Yergleichung mit den feinsten Nervenverzweigungen, wie sie in der Campanula vorkommen, als Nerven, so- mit jene Kerne, als in der Nervenscheide befindliche, nahezu ausweist. Vor einer Verwechs- lung mit Gefasskernen sichert die Erkennung der Gefasse selbst und der meisten noch darin liegenden Blutkdrperchen. Da aber nun die Masse der in der Campanula vorkommenden Nerven sehr bedeutend ist, so genugt der einfache Nachweis von stabchenfdrmigen Kernen und selbst ihre Reaktion auf Essigsaure nicht, um die Existenz von Muskelfasern in jenem Organ zu beweisen, sondern es miissenzu diesem Ende die Muskelfasern selbst dargestellt werden. Wie aber diese Operation im Ciliarmuskel sehr schwierig ist, so auch hier, und ich hatte lange Zeit vergeblich Essigsaure und Salpetersaure angewendet, bis es mir endlich gelang, durch einen verdiinnten rohen Holzessig (5 Theile Wasser auf 1 Theil Holzessig) Muskelfasern zu isoliren. Uiese Mischung wurde gerade zu erwahntem Zwecke zuerst von Prof. Meissner angewendet, welcher vor kurzer Zeit dem Hrn. Prof. Ecker davon Mittheilung machle. Ueber die Existenz von organischen Muskeln in der Campanula besteht somit kein Zweifel mehr. Was ihre Menge betrifft, so ist diese bei verschiedenen Fisohen sehr ver- 3* — 20 — schieden, und darf dieselbe, um Tauschungen zu vermerden, nur nach denjenigen Kernea be- rechnet werden, welche das Mikroskop als vollkommen frei, keinerlei Streifen oder Faser- ziigen angehorend, ausweist. Unter den von mir untersuchten Fischen fand ich die Kerne am zahlreichsten beim Lachs, weniger bei der Forelle und Cyprinus carpio, am wenigsten beim Hechte. Diese Muskeln setzen aber sich nicht unmittelbar an die Kapsel an, sondern vermittelst einer S e h n e. Zieht man die Campanula etwas von der Kapsel weg, so sieht man von ihren Randern zu dieser himiber ein durchsichtiges Hautcheri sich spannen, und reisst dieses Hautchen ab, so bleibt die Kapsel ganz unversehrt, nur an einer Stelle fehlt ihm das Epithel. Dieses Hautchen, welches ich der Einfachheit halber Ligamentum rnusculo - capsulare x~) nennen will, entsteht aus den Bindegewebsfasern, welche das Stroma der Campanula bilden, und welche dann mit einander verschmelzend, jene Membran bilden, auf welcher eine mehr oder weniger intensive Streifung ihre ursprungliche Faserung anzeigt. Diese Streifen lassen sich bis zur Kapsel verfolgen, verschwinden aber, hier angekommen, so dass der eigentliche Uebergang jener Membran in die Kapsel ganz -unmerkbar bleibt. Behandelt man die Campanula mit Essigsaure, so eutstehen rings um ihren Ansatz auf der Kapsel Streifen. Diese sind jedoch nur der Ausdruck von Faltungen des Ligamenlum musculo-capsulare, und verschwinden, sobald dieses von der Kapsel abgezogen wird; in dieser selbst sind nachher weder Fasern noch Streifen zu bemerken. Die Gestalt des Bandes ist verschieden, beim Hecht und Thunfisch ist es 3eckig, beim Lachs 4eckig. Seine Rander sind aber nicht ganz frei, sondern hangen mit dem obersten Blattchen der Hyaloidea zusammen. Seine Starke ist ziemlich bedeutend. Ausser den Muskelfasern zeigen auch die Gefasse in der Hiille der Campanula ein in- teressantes Verhalten. Die Arterie des Processus falciformis theilt sich, an der Campanula angekommen, in zwei Aeste, welche zu beiden Seiten derselben austreten und nach oben laufend auf dem Walle, den der Glaskbrper um die Linse bildet, einen Gefasskranz herstellen. Mit diesem Ringgefass vereinigt sich das von Quekett2) falschlich der Linsenkapsel zugeschriebene, von Wittich3) im Auge des Frosches, und von H. Mull«r in dem des Barsches beobachtete Gefass- netz der Hyaloidea. Dieses entsteht aus den Aesten, welche die Art. centralis retinae vom hintern Pol des Glaskorpers aus als ziemlich gerade verlaufende Arterien nach vorn sendet; zwischen diesen Arterien, die sich erst in der Nahe jenes Ringgefasses, ganz nach Art der Gekrosarlerien verasteln, verlaufen stark geschlungene Gefasse, welche wahrscheinlich die Venen darstellen. Aus dem Ringefasse treten dann wieder feine Gefasschen gegen die Linse, welche im obersten Blatt der Hyaloidea ein ziemlich enges Netz bilden. Den Inhalt der nun beschriebenen, aus Muskelfasern, Nerven, Gefassen und Bindege- webe bestehenden Hiille der Campanula bildet, wie oben angegeben wurde, jenes rund- liche, weisse Korperchen, an welchem der Nerve anhangt. Zerdriickt man dieses Knotchen unter dem Mikroskop, so sieht man eine Masse von Nerven nach verschiedenen Richtungen 0 Fig. I. 1. m. c. 2) Quekett, in Transactions of the Microscopical society of London Vol. III. pag. 9. 3) Wittich, in Grafe's Archiv II. A})th. 1. pag. 124. ; — 21 — verlaufen. Sie erscheinen als ziemlich breite, doppeltkonturirle Fasern, in welchejene/Ner- venstammchen gleich bei seinem Eintritt in die Campanula auseinanderfahrt, und welche so gleichsam ein Nervengewebe bilden. Diese Anordnung der Campanula, sowie ihre Form, wie sie jetzt grosslentheils nach dem Befunde im Auge des Hechts dargestellt wurde, er- leidet nun bei andern Fischen mannigfache Verschiedenheiten. Fast immer war ich aber im Stande, eine Hulle von einer inneliegenden nervdsen Partie zu trennen. Am besten gelang mir diese Trennung m frischen Augen. Die Hiille ist iibrigens manchmal sehr diinn un(j scheinbar nur aus Pigment bestehend. Die andere Anheftung der Fischlinse an den Glaskdrper liegt gegeniiber der Campanula als ein mehr weniger breites Band" Dieses Band wurde zuerst von Rosenthal1') beobachtet und von ihm und seinem Schuler Massalien^) beschrieben. Beide lieferten Abbildungen desselben, jener eine sehr misslun- gene, dieser eine ziemlich klare. Beide Forscher gaben demselben den Namen des vier- eckigen; ich wahle jedoch, da dasselbe in ganz anderer Form vorkommt, den Namen: Liga- mentwm suspensorium.3) Seit jener Zeit wurde dieses Bandes von keiner Seite mehr ge- dacht, und selbst Leydig thut dessen keine Erwahnung, was um so auffallender ist, da das- selbe ah den meisten Fischaugen sogleich nach Erdffnung derselben von vornher durch Ab- tragen der Cornea und Iris durch eine sattere Farbung, und bei Ieisem Druck und Zug durch seine bedeutende Resistenz von seiner Umgebung sich unterscheidet. Das Ligatnenium suspensorium ist nichts anderes als eine Verdickung der Hyaloidea, welche vom oberen Rand des die Linse umschliessenden Glaskorperwalles beginnend bis zur Linse herabsteigt und sich an der Kapsel festsetzt. Seine Breite ist verschieden und steht in geradem Verhaltniss zu jenem des Lig. musculo - capsulare und betragt ungefahr yi2—y6 des Linsenumfanges; doch ist es gewohnlich etwas breiter als letzteres. Seine Dicke ist bei manchen Fischen bedeutend, 1/l0—%'". Seine Lange belragt etwas mehr als die Breite des Glaskdrperwalles, da es sich elwas vor dem Linsenrand an die Kapsel inserirt. Das Band ist durchsichtig, oder nur durchscheinend, wodurch es sich eben von der ihm seitlich anhangenden Hyaloidea schon fur das Auge unterscheidet. Die haufigsten Formen, welche ich fand, sind das Quadrat, das Rechteck, oder zwei mit ihren Spitzen aufeinanderstehende Dreiecke. Auf dem eigenllichen Bande liegt, bei sorg- faltig behandelten Augen, ein sehr zartes Hautchen, welches ein Gefassnetz tragt, aus dem oben beschriebenen Ringgefass der Hyaloidea stammend. Dieses lauft namlich am oberen Rande des Lig. suspensorium durch, und schickt feine, haufig anastomosirende Gefasschen liber dieses hin. Das Band selbst ist gefasslos. Seine Verbindung mit der Kapsel ist eine sehr feste, so dass eher diese oder das Band selbst zerreisst, als jene Verbindung. -Mei- stens liegt es an der Iris an, und scheint manchmal mit ihr wirklich zusammenzuhangen — doch konnte ich einen solchen Zusammenhang nicht nachweisen. Ueber die Struktur des Bandes ist es schwierig,- etwas Sicheres zu erfahren. Die Eigenschaften, die es unter dem Rosenthal, nUeber das Fischauge" in Reils Arch. X. Bd. 1811. Massalien I. c. Fig. 2. 1. s. _ 22 — Mikroskop darbietet, sind so wechselnd, sein Verhalten gegen Essigsaure und Alkalien so unkonstant, dass ich von einer eigentlichen Textur desselben nicht sprechen kann. Risse und Falten von verschiedener Breite und versohiedene Zeichnungen bildend, machen gar zu leicht an Fasern und Fasernetze glauben. So sind namentlich Netze aus scharfkonturirten, steifen Streifen, die wie Sprunge aussehen, haufig zu sehen, verschwinden jedoch bei Zusatz von Aelznatron und machen einem zierlichen Netze aus breiteren, lichten, starkgeschwunge- nen Streifen Platz; jedoch auch dieses 1st unbestSndig, und meistens nur an einer oder der anderen Stelle des Bandes zu sehen. Seukrechte Schnitte geben ebensowenig ein sicheres Resultat. Fur den Mangel einer bestimmten Textur spricht auch die Unspaltbarkeit des Ligaments nach jeder Richtung hin. Beim Thunfisch habe ich einmal helle, 0,007 mm. breite Fasern, ganz ahnlich den Zonulafasern der Saugethiere, auf dem Bande liegend gefunden. Nach allem Angegebenen muss ich das Lig. suspensorium zu den strukturlosen Hauten zah- len, und kann obenberuhrte Streifen und Netze hochstens fiir unvollkommene Andeutungen einer Textur halten. Es entspricht also dieses Band auch seinen histologischen Ver- haltnissen nach, einer einfachen Verdickung der Hyaloidea. Es erubrigt nur noch, aus den bisher gegebenen anatomischen Thatsachen die Schliisse fiir die Physiologie zu ziehen. So einfach diese Folgerungen auch scheinen mogen, so mussen sie doch selbstverstandlich so lange nur Hypothesen bleiben, als sie nicht durch ein richtig vollzogenes physiologisches Experiment zu physiologischen Thatsachen erhoben sind. Als solche Hypothesen stelle ich denn auch die folgenden Satze hin und werde mich darauf beschranken, dieselben rein nur durch anatomische Erfahrungen zu unterstutzen. Schon die oberflachliche Betrachtung eines auf obenangegebene Weise erdffneten Fisch- auges macht uns auf ein gewisses gegensatzliches Verhaltniss zwischen den beiden einan- der gegentiberstehenden Befestigungen der Linse aufmerksam, und sobald wir nun erfahren, dass in der einen dieser Befestigungen contractile Elemente vorhanden sind, so verbinden wir mit diesem Gegensatz den Gedanken irgend einer Thaligkeit und Wirkung auf die Linse. Konstruiren wir uns diese ganz einfach anatomisch, so kann sie entweder in einer Form- oder in einer Ortsveranderung der Linse bestehen. Eine Formveranderung kann in folgender Weise gedacht werden: Die im senkrechten Linsendurchmesser liegenden Muskelfasern kontrahiren sich, und da das ihrer Insertion ge- geniiberstehende Ende jenes Diameters uubeweglich gehalten wird durch das unnachgiebige Ligamentum suspensorium, so muss die Wirkung der Muskelkontraktion eine Verlangerung jenes senkrechten Durchmessers sein. Die Folgen dieser Yerlangerung fur die ganze Geslalt der Linse kann eine doppelte sein — die Umwandlung derselben in einen Cylinder, wenn ihre Rander frei sind, und der Zug und Gegenzug nur auf eine kleine Stelle des Linsen- umfangs beschrankt ist, oder die einfache Abplattung der Linse, durch Annaherung ihrer vorderen und hinteren Flache, wenn Zug und Gegenzug in einer gewissen Breite wirken.— In beiden Fallen tritt aber eine Verkurzung der optisohen Achse der Linse ein. Ob diese auch von einer Verkurzung des dritten Durchmessers begleitet sein wird, dies hangt, wie eben angedeutet, von der Grosse der Flache, auf welcher die beiden Faktoren wirken, so wie von der seitlichen Befestigung der Linse ab. Von der letzteren konnen wir keine irgend — 23 — betrachtliche Leistung' erwarten, da wir oben gesehen haben, wie schwach die Yerbindung des obersten Blattes der Hyaloidea mit der Kapsel ist, so dass sie haufig als blosse Anlagerung erscheint. Dagegen wissen wir, dass das Ligamentum suspensorium eine gewisse, riicht unbetrachtliche Breite besitzt, und dass auch die Muskeln der Campanula durch ihre Sehne, das Ligament.' musculo-capsulare auf einen grosseren Theil des Linsenaquators einwirken. Durch diese Verbreiterung des Zugs und Gegenzugs wird eine starke Verkiirzung des dritten horizontalen Diameters verhindert, und es bleibt somit nur' die der optischen Acbse der Linse. Das Resultat der Wirkiing der Muskeln der Campanula kdnnte somit eine Abplattung der Linse in der Richtung von vorn nach hinten sein. Dass eine solche Formveranderung der Fischlinse moglich ist, ergibt sich aus der Weichheit ihrer peripherischen Lagen. — Eine zweite mogliche Wirkung der contractilen Elemente mit freilich ganz andern Resultaten ware wohl eine Ortsveranderung der Linse, eine Bewegung nach riickwarts durch den Muskel der Cam- panula und eine antagonistische Gegenwirkung des Lig. suspensorium. — Werfen wir schliess- lich noch einen vergleichenden Blick auf den Bau des Saugethier- und Vogelauges, so finden wir den Processus falciformis einem Ciliarfortsatz jener Augen allerdings ahnlich, allein nicht analog, da jener durch seine Muskelfasern eine ganz andere, hdhere Bedeutung erhalt. Fiir die Zonula Zinnii des Saugethierauges haben wir im Fischauge als Analogon nur das Ligamentum suspensorium, denn die iibrigen Parlieen des Ansatzes der Hyaloidea an die Linse sind so schwach, dass sie der Zonula physiologisch nicht gleichwerthig sein konnen. Fur die Frage nach der physiologisch optischen Bedeutung der Abplattung sowohl als der Yerriickuug' der Linse liegt die Antwort wohl nahe genug. Wenn wir auch noch keine strikte Beweise fiir das Bestehen einer Accommodation bei den Fischen besitzen, so sind wir doch zur Annahme einer solchen gewiss berechtigt, da es kaum denkbar ware, dass einem so yollkommen gebildeten Auge, wie es die Fische besitzen, die so wichtige Fahigkeit der Accommodation abgehen sollte. . . Nun waren aber bis jetzt alle Forschungen nach einem Ciliarmuskel der Fische vergeb- lich; Leydig spricht sich bestimmt liber sein Fehlen bei den Selachiern, die" einen sehr ent- wickelten Ciliarring besitzen, aus, und ich selbst habe bei den verschiedensten Fischen nichts Derartiges finden konnen. Auch iiber die muskulosen Bestandtheile der Iris besitzen wir noch durchaus keine sicheren Angaben, selbst tiber Pupillenbewegungen nur schwankende. Meine eigenen Ver- suche in dieser Beziehung brachten nur negative Resultate. Wir kennen also kein anderes Organ im Fischauge, welches wir mit Sicherheit als das fur die Accommodation bestimmte erklaren miisslen; wir finden daher auch hierin einen Grund, die Campanula sammt dem Lig. suspensorium fur das Accommodationsorgan zu halten. Die anatomischen Thatsachen alle befiirworten diese Annahme, bestatigen kann sie nur das physiologische Experiment. — 24 — II. Mtbtx ten ftttienn *3au tee ©chororgans uon Von Hubert Releh aus Freiburg. untr Das Gehororgan der Cyclostomen, insbesondere der Gattung Petromyzon und Ammo- coetes war schon vielfach der Gegenstand anatomischer Untersuchungen 5 die meisten dieser beziehen sich jedoch nur auf den grobern anatomischen Bau desselben. Die alteren Forscher, wie Dumeril, Pohl, E. H. Weber, Blainville, Rathke, Breschet und Mayer, betrachten im Allgemeinen das hautige Gehororgan von Petromyzon als ein einfaches Sackchen mit einigen vorspringenden Falten. — Erst J. Muller *) erkannte den wahren Bau des Gehdrorgans von Petromyzon und Ammocoetes, indem er namentlich das Vorhandensein von halbcirkelfbrmi- gen Kanalen nachwies und auch im Uebrigen dasselbe, soweit es dessen grobern anatomi- schen Bau betrifft, vollstandig und erschopfend beschrieb. Den mikroskopischen Inhalt und insbesondere die innere Bekleidung des hautigen Labyrinths kannte er nicht, was wohl nur- daher riihrt, dass er seine Untersuchungen bloss an Weingeistpraparaten machte; er fand als Inhalt immer eine triibe, oft dickliche Masse ohne kalkige Goncremente, die er fur durch den Weingeist enlstandene Gerinnsel erklart. — Ecker, welcher zuerst frische Exem- plare von Petromyzon marinus genauer mikroskopisch untersuchte, fand im Innern des Ge- hororgans die schonen Flimmerzellen. 2) Die, der folgenden Mittheilung zu Grunde liegende Untersuchung des feineren Baues des Gehororgans von Petromyzon und Ammocoetes unternahm ich im hiesigen physiologi- schen Institute unter der'Leitung meines hochverehrten Lehrers, Herrn Professor Ecker, welcher mich sowohl durch seinen Rath, als durch Gewahrung der erforderlichen Hilfsmittel freundlichst unterstiitzte, hauptsachlich an Exemplaren von Petromyzon Planeri und Ammo- coetes, welche in verdunnter Losung von Chromsaure und doppelt chromsaurem Kali er- hartet waren, und von Petromyzon fluviatilis, wovon mir jedoch nur Weingeistexemplare zu Gebot standen. Ich schicke denselben eine kurze anatomische Beschreibung des Gehbror- gans von Petromyzon und Ammocoetes voraus, wobei ich ganz der trefflichen Schilderung von Johannes Muller folge. Das hautige Gehororgan liegt frei in der ovalen knorpligen Ohrkapsel, welche nach hinten und oben von der Augenhohle gelegen und von einer ziemlich dicken Muskellage bedeckt 1st; es hangt nur an der Eintrittsstelle des Gehomerven rait der diese Oeffnung verschliessenden fibrbsen Haut zusammen. — Das hautige Labyrinth ist noch mit einer feinen Bindegewebsmembran florartig bedeckt, welche nur an den Furchen desselben mach- tiger und faserartig wild. — Dasselbe besteht aus mehreren Abtheilungen, welche unter ein- ander communiciren. — Diese sind: 1. Das Vestibulum, die grbsste Abtheilung, liegt in der Mitte und wird durch eine senkrechte, ringsherumlaufende Furche, welcher im Innern eine vqrspringende, gleich verlaufende Falte entspricht, in eine vordere und hintere Halfte ge- theilt Schwacher, als diese, ist jene Furche, welche nach innen und unten von der knie- ') Johannes Muller, Ueber den eigenthiiml. Bau des Gehororga'ns bei den Cyclostomen. Fortsetzung der ¦vergleich. Anatomie der Myxinoiden. Berlin i838. Hier findet sich auch die altere Literatur genau angegeben. — J) Miillers Archiv. 1845. — 25 — fdrmigen Commissur der halbcirkel fdrmigen Kanale beginnend, horizontal und etwas schrag naoh untea verlauft uad so das Vestibulum seicht in eine obere und untere Abtheilung theilt. — Auf der Mittelfalle der untern Wand des Vestibulum sitzt ein frei in den Raum dessel- ben hervorragendes, ziemlich festes Blattchen auf. — Mit dem Vestibulum communicirt ein kleiner sackfdrmiger Anhang, welcher an der innern Seite unterhalb der Eintrittsstelle des Nervus acusticus liegt. —2. Die halbcirkelformigen Kanale entspringen, der eine an dem vordern, der andere an dem hintern Theile des Vorhofs, laufen convergirend nach oben, wo sie sich unter einem stumpfen Winkel — kniefdrmige Commissur — mit einander vereinigen. An der Ursprungsstelle, wo sie mit weiter Oeffnung mit dem Vestibulum com- municiren, sind sie ampullenartig ausgedehnt und diese Ampullen sind durch 2 im Innern vorspringende Falten zu 3 Ausbuchtungen, 2 seitliche und eine mittlere erweitert. An der kniefdrmigen Commissur hangen sie durch eine schlitzfdrmige Oeffnung, in welche von oben ein langlicher Vorsprung hineinragt, mit der Hdhlung des Vestibulum zusammen. Histologie des Gehdrorgans. I. Die knorplige Gehdrkapsel, welche mit einem Perichondrium iiberzogen ist, zeigt beim Durchschnitt aussere, dem Rand parallel laufende Knorpelzellen mit Kern und dicker Wan- dung, wahrend die innere Schichte aus grossen, dunnwandigen, kernlosen Zellen besteht.') II. Das hautige Labyrinth. Man hat hier3 wie oben erwahnt wurde, zwischen dem eigentlichen hautigen Labyrinth, welches aus einer strukturlosen Membran besteht und zwi- schen der florartigen, aussern Umhullung desselben, die aus faserigem Bindegewebe gebildet ist und einzelne astige Pigmentzellen enthalt, zu unterscheiden. Die in das Innere des La- byrinths vorspringenden Falten, sowie das zwischen beiden Ampullen hervorragende, ^knor- pelahnliche" Blattchen bestehen aus ziemlich consistentem Bindegewebe. — 1. Epithel des hautigen Labyrinths. Das Epithel, welches das Innere des La- byrinths auskleidet, ist an den verschiedenen Abtheilungen desselben sehr. verschieden, in- dem man sowohl Pflaster- als Flimmer- und Cylinderepithelium findet. Von der Verbreitung derselben kann man sich die beste Ansicht auf die Art verschaffen, dass man das Labyrinth eines kleinen (in verdunnter Losung von Chromsaure oder doppelt chrom- saurem Kali aufbewahrten) Exemplars von Ammocoetes vorsichtig herausnimmt und ohne Deckglaschen mit massiger Yergrdsserung betrachtet: — Hat man das Labyrinth geoffnet, so ist es meist schwierig, liber den urspriinglichen Sitz des Epithels zu urthetlen, da das- selbe, insbesondere das Flimmer- und Cylinderepithel abgefallen ist und frei oder zu grdssern Kliimpchen vereinigt, in der Flussigkeil herumschwimmt. — a) Das Pflasterepithel be- steht aus schdneu, grossen sechseckigen Zellen (von 0,0166 mm.) mit deutlichem Kern (0,006 mm.); und findet sich in den halbzirkelfdrmigen Kanalen und in dem sackfdrmigen Anhange. b) Das Flimmer epithel. — Sein Vorkommen beschrankt sich auf das Vesti- bulum, welches mit Ausnahme der faltigen Hervorragungen Flimmerzellen tragt. Dieselben sind von verschiedener Gestalt, rundlich, oval, flaschenformig, keilfdrmig; bei Chromsaure- praparaten im Allgemeinen mehr langlich, nach unten zugespitzt; sie zeigen einen deutlichen ') Leydig, Lehrbuch der Histologie etc. S. 152. — 26 — Kern und kdrnigen Inhalt. (Taf. II. Fig. 11 a.) — Jeder Zelle sitzt ein verhaltnissmassig dickes und langes Flimmerhaar auf, das, unten breiter, nach oben sich fein zuspitzt. — Haufig sieht man an Chromsaurepraparaten, besonders nach Zusatz von Aetzkali, das Flimmerhaar vom intern Ende an sich zerfasern und in mehrere Haare zerfallen. (Fig. 11 b; Ecker, Icon, physiol. Taf. XI. Fig. II). Die Art und Weise, wie die Flimmerzellen aufsitzen und befestigt sind, ist etwas eigenthumlich; es sind namlich auf der Membran des Labyrinths ziemlich fesl sitzende Zellen aufgelagert, welche nach unten breiter und mit deutlichem Kern versehen, nach oben ziemlich spitz auslaufen. Dieses spitze Ende liegt zwischen den ein- zelnen Flimmerzellen, und geht bis zur Oberflache derselben, ohne jedoch daruber hervor- zuragcn (Fig. 12). Es scheinen dies Ersatzzellen zu sein. Meistens liegen die Flimmer- zelleu einzeln oder zu grdssereu Haufchen vereinigt frei in der Fliissigkeit; seltener sieht man die Flimmerzellen noch im Zusammenhang mit den Ersatzzellen, von denen man jedoch dfters Fragmente einzelnen Flimmerzellen anhangend findet. — c) Die Cylinder zellen finden sich auf den vorspringenden Falten des Yestibulum und der Ampullen und stehen mit den spater zu beschreibenden Endigungen des Gehdrnerveh in Beziehung. Es sind ziemlich blasse Zellen mit Kern in der Mitte und kdrnigem Inhalt (Fig. 15 b). 2. Otolithen. — Sowohl bei Ammocoetes, als Petromyzon Planeri und fluviatilis konnte ich nie andere Ololithen finden, als kuglige Concretionen, welche theils isolirt, theils in grdsseren Massen zusammenhangend vorkommen, wie auch Schultze und Leydig fanden (Fig. 16). Sie bestehen grdsstentheils aus kohlensaurem Kalk; denn bei Zusatz von Salzsaure entwickeln sie Gasblaschen, werden sehr blass und lassen eine helle, durchsich- tige, wahrscheinlich aus organischer Substanz bestehende Zelle zuriick. — Diese Otolithen finden sich in geringerer Menge im ganzen Labyrinth zerstreut, doch hauptsachlich und in grosser Menge im sackfdrmigen Anhange, der fast ganz darait angefullt ist, vielleicht wah- rend des Lebens ausschliesslich in diesem, so dass einzelne Otolithen nur durch zufallige Bewegungen oder Druck in den iibrigen Theil des Labyrinths gelangten. 3. Der Gehdrnerve und seine peripherische Endigung. Der Nervus acusti- cus tritt durch eine verhaltnissmassig grosse Oeffnung der knorpligen Ohrkapsel, welche durch eine fibrdse Haut verschlossen ist, zum hautigen Labyrinth und zwar an die mittlere senkrechte Furche des Vestibulum. An dieser Stelle, wo er sich in seine Zweige, nament- lich die Ampullarnerven trennt, enthalt der Nerv, wie Stannjus zuerst entdeckte, zahlreiche Ganglienzellen. Dieselben sind von zweierlei Form: 1) langliche, spiudel- fdrmige; — diese sjnd deullich bipolar, zeigen Kern und Nucleolus; ihre Grosse ist sehf verschieden; ihre Breitc 0,013 mm. — 0,04 mm., die Lange 0,05 — 015, mm.; man sieht hier die Nervenzelle unmittelbar und mit allmahligef Yerschmalerung in den Achsencylinder iiber- gehen; 2) mehr rundliche. Diese sind scheinbar apolar oder wenigstens nur unipolar, in einem bindcgewebigen Fasergeriiste eingebettet, welches zahlreiche Kerne zeigt; dfters jedoch war ich im Stande, zwei an entgegengesetzten Stellen austretende Nervenfasern wahrzunehmen, so dass auch diese Ganglienzellen als bipolare betrachtet werden miissen. Die scheinbare Apolaritat derselben riihrt wahrscheinlich daher, dass die Achsencylinder von den in dem Fasergeruste eingebetteten Zellen beim Zerfasern leichl abreissen. — Die Grosse derselben ist ziemlich bedeutend; man findet solche von 0,04 — 0,144 mm. Durch- — 27. — messer. Die Breite der Achsencylinder in der Nahe der Ganglienzellen betragt durchschnitt- lich 0,005 — 0,006 mm. Ueber die Endigung des Gehornerven eine genaue Kenntniss sich zu verschaffen, ist ziemlich schwierig, da man meist nur die losgelosten Bruchstiicke in den mannigfachsten Formen zerstreut findet und nur in seltenen Fallen die urspriingliche, wirk- liche Stellung der Formelelemente zu Gesicht bekommt. Die Art und Weise der Nerven- endigung, wie ich sie bei Ammocoetes und Petromyzon Planeri fand, gestaltet sich folgen- dermassen : In den in das Labyrinth vorspringenden Fallen laufen feine Nervenfasern zwi- schen den Bindegewebslamellen dahin und erheben sich dann, nachdem sie eine kleine spindelformige Anschwellung erlitten, gegen die freie Oberflache, die Bindegewebsfasern senkrecht durchziehend (Fig. 13. 14). Hierauf zeigt sich, gleich nachdem die Nervenfaser die Falte verlassen, eine rundliche Anschwellung mit deutlichem, glanzenden Kern und Nucleolus. Aus dieser tritt nach oben eine etwas breitere Faser, welche zwischen den Cylinderepithel- zellen. verlauft. Tritt sie aus dem Zwischenraum der Cylinderzellen heraus, so wird sie feiner und ragt wie ein Fad en daruber hinaus, welcher eine birnformige Zelle mit deut- lichem Kern und hellglanzendem Nucleolus tragt. Oefters zeigt sie neben dieser noch eine schwachere, langliche Anschwellung. Ueber die birnformige Zelle, welche 0,006 mm. Durch- messer hat, ragt noch eine feine, fadenartige Verlangerung hinaus und bildet das ausserste, frei hervorragende Ende. Es ist jedoch leicht einzusehen, dass sich diese Theile bei ihrer grossen Zartheit selten so rein darstellen, wie ich es in diesem Schema darstellte. Meistens findet an bestimmten Stellen ein Abreissen der -zarten Theile statt, woraus man dann die verschiedensten Formen und Bilder erhalt. So sieht man gewbhnlich die frei hervorragen- den Faden mit ihrer birnformigen Zelle fur sich allein und zwar einzeln oder zu mehreren aneinander gereiht (Fig. 15 a.); ferner die Cylinderzellen (Fig. 15 b.); die zwischen den- selben liegenden Nervenfasern mit oder ohne die darunter befindlichen Ganglienzellen (Fig. 15 d); seltener und nur, wenn man die vorspringenden Falten zerfasert, kann man die darin verlaufenden Nervenfasern mit der spindelfbrmigen Anschwellung isoliren. (Fig. 15 c) 4. Gefasse des Labyrinths. — Durch eine Oeffnung, welche oberhalb des Foramen acusticum in der knorpligen Ohrkapsel sich befindet, tritt vom Gehirn aus eine Arterie an das hautige Labyrinth und verastelt sjch in zahlreich anastomosirenden Zweigchen zwischen der florartigen Bindegewebshiille und dem eigentlichen hautigen Labyrinthe, wobei die grossern Zweige hauptsachlich den Furchen fojgen und dann in die Falten sich einsenken. Dieser Verlauf war bei einem Exemplar von Ammocoetes, wo die Gefasschen schdn mit Blutkorperchen sich gefiillt zeigten, deutlich wahrzunehmen. — — 28 — III. &cd)te JJuritterbtttrung bam Raxpftn. Von A. Ecker. Falle von wahrer Zvyitterbildung bei Wirbelthieren, in denen die Anwesenheit der beiderlei Zeugungsstoffe durch das Mikroskop nachgewiesen ist, sind" noch so selten ver- zeichnet, dass eine jede derartige Beobachtung* wohl der Mittheilung werth ist. Das Interesse an Zwitterbildungen der Fische insbesondere ist aber durch deu neuerlichst von Dufosse*) gelieferten Nachweis des normalen Vorkommens eines solchen bei Serranus scriba, cabrilla und hepalus bedeutend erhoht worden. Zwei Falle von achter Zwitterbildung beim Karpfen habe ich im verflossenen Winter kurz hintereinander beobachtet. Der erste Fall kam mir im Januar d. J. vor. Fischer M . . . . brachte mir die Eingeweide eines Karpfen, die ihm beim Oeffnen des Thieres eben durch das gleichzeitige. Vorhandensein von Rogen und Milch aufgefallen waren. Der Fisch hatte nach der Angabe des Ueberbringers ausserlich durchaus nichts Besonderes gezeigt. Linkerseits war ueben dem Eierstock ein wohlausgebildeter Hoden vorhanden, rechterseits fand sich nur der Eierstock. Hoden und Eierstock standen durch Bindegewebe und Blut- gefasse in inniger Verbindung, der Hoden enthielt lebhaft sich bewegende Spermatozoiden, die Eierst6eke vollkommen ausgebildete Eier. Der zweite Fall kam im Februar dieses Jahres vor. Auch diesmal erhielt ich nur die herausgenommenen Eingeweide zur Untersuchung, da der Fischer auch erst wieder beim Oeffnen des Thiers die Abnormitat bemerkt hatte. Die Zwitterbildung war in diesem Falle abermals eine einseitige. Der Hoden war gross, 2" lang und \" b'" breit; unterhalb des- selben lagen noch mehrere kleinere, 3 — 5'" im Durchmesser haltende in Stroma des Eier- stocks eingebettet, die ganz denselben Bau und Inhalt hatten, wie das Hauptorgan. Die Einlagerung dieser Hodenlappchen in das Gewebe des Ovariums war eine so innige, dass es ganz den Anschein gewahrte, als seien beide aus einem und demselben Stroma hervor- gegangen. Die Spermatozoiden bewegten sich auch in diesem Falle noch lebhaft; die Eier waren vollkommen ausgebildet und deren Hulle mit den schonsten Porenkanalen versehen. ') Dufosse, De l'hermophrodisme chez certains vertebres. Annal. des sciences naturelles IVeme serie. Zoologie. Tome V. 1856. S. 295. il I — 29 — IV. 2He Itmmt - <£itfrigungen tm elektrtfd)*tt ©rgan tor Jltormnri. Von A. Kcker. Die erste Angabe uber den feineren Bau dieser Organe riihrt von Kd Hiker1) her. Nach ihm bestehen die Plattchen des Organs bei Mormyrus longipinnis in der Mitte ans einer Lage-von Bindegewebe und an den beiden die Facher begrenzenden Oberflachen aus einer einzigen Schicht kleiner kernhaltiger polygonaler Epitheliumzellen. In den Septis sah er eigenthiimliche verastelte und anastomosirende Faden, welche, wie er sich iiberzeugte, mit den Nerven zusammenhangen. Diese Faden erwiesen sich als cylindrische Rdhren, be- stehend aus einer Hiille und einem gelblichen durchscheinenden Inhalt, welcher in einzelne viereckige oder rechtwinklige, nicht ganz regelmassige Kliimpchen zerfallen war. Bei Zusatz von Kali oder Natron wurde der Inhalt erst blass, dann geldst und zugleich kamen, wah- rend derselbe aus der Rohre herausfloss, ausserst zahlreiche runde Kerne mit punktfdrmi- gen Kernkdrpercheir zum Vorschein. Einige Jahre spater unternahm Marcus en die Un- tersuchung des Baues dieser Organe. In einer ersten Miltheilung 2} gibt er an, dass die aus doppelt conturirten Primitivfasern bestehenden Nerven, welche sich auf den Plattchen vertheilen, in Anschwellungen auslaufen, von welchen Nervenfaden abgehen, die von ganz& anderer Beschaffenheit sind und aus einer durchsichtigen Scheide mit Kernen und einem graulichen Inhalt bestehen. In einer zweiten Mittheilung spricht er eine hievon etwas ver- schiedene Ansicht3) aus. Die friiher als Nerven -Endigungen beschriebenen Rohren seien dies keineswegs; an den dort erwahnten Kolbchen endigen die Nerven in Schlingen, in welchen sie umbiegen. Die in der ersten Mittheilung beschriebenen Rohrchen belrachtet jetzt Marcusen als ein ganz besonderes, erst in den Kolbchen beginnendes System, um .dessen Anfang die Primitivnervenfasern schlingenfdrmig umbiegen. Endlich habe ich in einer vorlaufigen Mittheilung4) den Bau des elektrischen Organs von Mormyrus dorsalis beschrieben und es wahrscheinlich gemacht, dass die in Rede stehenden Rohren hier in der That Fortsetzungen der Primitivnervenrdhren sind. Diesen Mittheilungen fuge ich nunmehr einige kurze Notizen uber andere Mormyrus-Arten und einige erlauternde Zeichnungen bei. Die denselben.zu Grunde liegenden Untersuchungen sind schon vor mehr als zwei Jahren, sowohl an Chromsaure- als "Weingeistpraparaten, angestellt, welche ich der Gefalligkeit des Hrn. Prof. Bilharz in Cairo verdanke. Ich habe dieselben bisher nicht verdffentlicht, weil ich hoffte, einige unerledigte Fragen noch zur Entscheidung bringen zu kdnnen. Neuerlichst vorgenommene Untersuchungen haben mich jedoch uberzeugt, dass einige Haupt- punkte wohl nur durch Untersuchung an frischen Exemplaren zu erledigen sein werden, und dass ich durch weitere Untersuchungen um so weniger weiter kommen wurde, als die 0 Berichte yon der konigl. zoolom. Anstalt in Wurzburg. Leipzig 1849. 4. S. 9. aJ Sur quelques parficularites relatives a 1'organisation des Mormyres. Gazette medicale de Paris. Tome VIII. 26. fevrier 1853. No. 9. S. 136. 3D Bulletin de la classe physico-mathemafique de 1'academie imperiale des sciences de St. Petersbourg. Tome XII. 1. No. 265. Sept. 1853. An welcher Art Marcusen diese und die vorhergehenden Unfersuchungen angestellt hat ist nicht angegeben. 0 Berichte der Gesellschaft fur Beforderung der Naturwissenschaflen zu Freiburg i. B. No. 11. August. 1855. S. 176. — 30 — Praparate im Verlauf der Zeit keineswegs an Brauchbarkeit zugenommen haben. So gebe ich diese Skizzen denn in ihrer unvollkommenen Form, in der Hoffnung, dass der fleissige Erforscher des elektrischen Organs des Zitterwelses sich durch dieselben veranlasst sehen werde, seinen Aufenthalt in dem Vaterland der Mormyri zu einer eingehenderen Unlersuchung ihrer elektrischen Organe zu bentitzen. Jedes der vier Organe der Mormyri sfellt ein Rohr dar, aus einer Sehnenhaut gebildet, welches durch zahlreiche von der Innenflache desselben ausgehende Querscheidewande in lauter einzelne mit Gallerlmasse gefiillte Facher getheilt wird und entsprichl also, wie Kolliker ') mit Recht angibt, einer einzigen, hier aber horizontal geleglen Saule des Organs vom Zitterrochen. Die Nerven des Organs stammen aus den Schwanzwirbelnerven. Uiese bilden namlich nach ihrem Austritt netzformige Anastomosen untereinander und treten schliesslich in jedem Organ an der der Wirbelsaule zugekehrten Seite zu einem Langsstamm zusammen, von welchem die Aeste zu den Scheidewanden abgehen. Die weitere Verfolgung der Nerven bis zu ihrem Ursprung gelingt an Weingeistpraparaten nicht, und Bilharz schreibt mir hieriiber Folgendes: ,,Die halbfliissige Rahmconsistenz des Riickeninarks und ,,der Nerven, die auch durch starken Weingeist nicht hinreichend veranderl wird, machte ,,die Auffindung des Central-Organs oder der ceniralen Organe unmoglich und setzte auch ,,der Verfolgung der elektrischen Nerven bis zur Austritts - Stelle aus dem Riickenmark nsolche Hindernisse entgegen, dass ich als ersten sichern Punkt das in der Substanz des ,,Wirbelkorpers gelegene Ganglion bezeichnen muss, zu dem mehrere aus der Bauch- und y.Seitenflache des Riickenmarks entspringende Wiirzelchen treten, und aus welchem (ob in ,,inncrlicher Verbindung mit dem Ganglion oder nicht, konnte ich nicht entscheiden) die „ elektrischen Nerven, in der Regel zwei zum obern, zwei zum untern Organ jeder Seite nlreten, welche alsbald mit den benachbarlen Verbinduug eingehen." Jede Querscheidewand bestehl: 1) aus einer Selinen- oder Bindegewebehaut, welche von der aussern Hiille abgeht und aus vielfach sich durchkreuzenden Bundeln fibrillaren Bindegewebes zusammengesetzt ist. 2) Nach hinten auf dieser liegt eine zweite zarte kornige Membran, die wesentlich aus der Ausbreitung der Nerven-Enden besteht und die ich die Nervenmembran nenne. Dieselbe entspricht der elektrischen Platte, Nerven-Endplatte von Bilharz2) und besteht aus einer feinkornigen Grundsubstanz, welche ganz der der Centralorgane des Nervensystems und dem Ganglienzellen-Inhalt gleicht nnd enthalt zahlreiche Kerne mit Nucleolis eingesprengt. Dieselbe scheint in den meisten Fallen getragen von einem zwischen derselben und der Sehnenhaut gelegenen strukturlosen Hautchen, in welches kleine sternformige Zellen mit Auslaufern (Bindegewebekorperchen ?) eingebettet sind. An jedes Septum tritt ein Nervenast aus dem der Lange des Organs nach verlaufenden Stamm und vertheilt sich auf dem Plattchen. Derselbe ist anfanglich weiss und opak und besteht aus deutlichen dunkelrandigen Primitivfasern. Ziemlich pldtzlich verliert er jedoch,' meist schon an der zweiten Theilung, diese Beschaffenheit, und an dieser' Stelle scheint der Nerv, mit dem unbewaffneten Auge betrachtet, kolbig zu enden, indem die von ') I. c. ') Bilharz, das elektrische Organ des Zitlenwelses. Leipzig 1857. S. 33. — 31 — hier aus abgehenden Aestchen durchsichtig und voq ganz anderer Beschaffenheit sind. Man bemerkt namlich im weitern Verlauf innerhalb der Bindegewebescheide statt dunkelrandiger Primitivfasern eigenlhiimliche slrukturlose, mit Kernen besetzte und in ihrer Achse mit feinkor- nigem Inhalt gefullle Rohren, welche schliesslich, indem ihr feinkorniger Inhalt sich unmit- telbar in die feinkornige Grundsubstanz der Nervenmembran fortsetzt, vollstandig in diese iibergehn. Der entschieden schwierigste Punkt der Untersuchung ist das Verhalten der dun- kelrandigen Nervenprimitivfasern zu diesen Rohren. Dass beide zusammenhangen scheint mir ein Postulat zu sein. Das Wie? des Zusammenhangs vollstandig zu erforschen ist jedoch wohl nur durch Untersuchung frischer Exemplare moglich, und gerade vorzugsweise die Ausfullung dieser Liicke ist es, was ich von meinem lhatigen Freunde Bilharz erwarte. Ich werde im Folgenden insbesondere nur die Endverbreitung der Rohren, die ich unbedenklich als peripherische Nervenausbreilungen ansehe, betrachten. Die untersuchlen Arten sind die folgenden: 1) Mormyrus dorsalis Geoffr. Der in das Organ von der Wirbelsaule her eintretende Nervenast begibt sich an die hintere Seite des Septum auf die Nervenmembran und ver- lauft in einer Rinne, in welcher die Substanz derselben fehlt und deren Boden also von der Sehnenhaut gebildet wird. Hier theilt er sich alsbald dichotomisch und dann abermals. An dieser zweiten Theilung scheint der Nerv plotzJich kolbig zu enden, senkt sich aber in der That, wi dies namentlich die Betrachtung bei auffallendem Lichte zeigt, in die Nervenmem- bran ein und strahlt dann auf der vordern auf der Sehnenhaut aufliegenden Flache der Nervenmembran in zahlreiche Aesle aus. Bis zu den elwa' yB mm. dicken, kolbigeu schein- baren Enden ist der Nerve weiss, opak, besteht aus ziemlich starken dunkelrandigen Pri- mitivfasern und besilzl nur. eine dunne Bindegewebehiille; die von der genannlen Stelle ausstrahlenden Aeste sind dagegen durchsichtig, elwa 0,062 m m. (_%%'"') — 0,050 m m. C'As"') dick und verfeinern sich durch Theilung immer mehr. Aestchen von elwa 0,037 mm. CVsi"') bestehen nur aus einer ziemlich dicken Bindegewebe-Scheide und einer darin ent- haltenen kornigen Rohre von etwa 0,007 m m. CVsss'")- Im weitern Verlauf wird die Bin- degewebe-Scheide immer dunner, wahrend in derselben eine durchsichtige strukturlose Rohre immer deullicher zum Yorschein kommt, welche stellenweise mit Kernen besetzt ist und in ihrer Achse einen Strang feinkornigen Inhalts, welcher der feinkornigen Grundsubstanz der Centralorgane und der Nervenmembran vollkommen gleicht (Achsencylinder?), enthalt. Nervenastchen von 0,025 mm. (y91/y/) bestehen nur aus einer solchen Rohre und einer ganz zarten Bindegewebe-Scheide. *)v Endlich verliert sich auch diese, und die Rohren setzen ihreu Weg allein fort, um schliesslich in einer weiter unten zu beschreibenden Weise zu endigen; Der, wie oben erwahnt, am schwierigsten zu erforschende Punkt ist das Ver- halten der Nerven-Elemente zwischen der Stelle, an der die dunkelrandigen Primitivrohren aufzuhoren scheinen und dem Auftreten der Rohren mit feinkornigem Inhalt. Schlingen- formige Umbiegungen der Primilivfasern, wie sie Marcusen (bei welcher Art, ob bei alien, ist nicht erwahnt) annimmt, habe ich niemals gesehen und bezweifle deren Vorkommen sehr. Von der Stelle aus, an welcher der Nerve seine weisse, opake Beschaffenheit yerliert, ') Taf. II. Fig. 4. . ¦ — 32 — sieht man oft noeh eine ziemliche Strecke weit einzelne Primitivfasern, — freilich mit theil- weise unterbrochenem Inhalt — in der ziemlich dicken Bindegewebehiille verlaufen, weiter- hin wenigstens Streifen kriimliger Massen, die mehr oder minder den Charakter des Nerven- marks haben; dann erst erscheincn rdhrenartige Gebilde, die aber erst in noch weiterer Entfernung in die deutlichen strukturlosen, mil Kernen besetzten Rdhren tibergehen. Dass ein direkter Zusammenhang der dunkelrandigen Nervenfasern mit den beschriebenen Rohren stattfinde, scheint mir. bei der in Rede stehenden Art am allerwenigsten einem gegriindeten Zweifel unterworfen; hier, wie fast tiberall, wo dunkelrandige Nerveufasern in Ganglien- zellen oder diesen gleichwerlhige Gebilde iibergehen, findet sich eine scheinbare Unterbrechung, wo das Mark aufhdrt und der anfangs durchsichtige Achsencylinder allein sich fortsetzt, und diese Stellen sind fast nur an frischen Objeklen deutlich zu sehen. Ein Umstand iibri- gens erregt mir noch Bedenken, dass namlich das numerische Verhaltniss der Primitivfasern und der Rohren sich keineswegs zu enlsprechen scheint; es scheinen bei weitem mehr Pri- mitivfasern vorhanden zu sein, als schliesslich Rohren aus dem Stamm hervorgehen. Die Endverbreitung der Rohren ist die folgende: Nachdem sie ihre Bindegewebescheide verloren, theilen sie sich noch mehrfach und gehen schliesslich in eigenlhiimliche, wohl am richtig- sten mit Ganglienzellen zu vergleichende Anschwellungen iiber. *) Diese sind von unregel- massig rundlicher Form, etwa 0,037 — 0,050 (V61 — 1A5"9 gross, mit feinkdrnigem (Gang- lieuzellen) Inhalt gefiillt, welcher sich uumittelbar in den der Rohren fortsetzt. Dieselben Kerne, die man schon in der Wand dieser wahrnimmt, linden sich auch hier, wenigstens noch deutlich an dem Anfang der Erweiterung. Die Lage der Anschwellungen ist eine hdchst eigenthiimliche; sie liegen namlich in scharf ausgeschnittenen Ldcheru 2) der Nerven- membran, in welche die Rdhren, die sich zwischen dieser und der Sehnenhaut ausbreiten, kurz vor dem Uebergang in die Anschwellungen sich einsenken. Nachdem auf diese Art die Anschwellungen durch die Ldcher der Nervenmembran von deren vorderer Seite auf die hintere getreten sind, entspriugen von denselben nach alien Seiten zahlreictie Auslaufer, die sich mehr oder minder verzweigen, mit denen benachbarter Auschwellungen anastomo- siren und sich endlich in die Nervenmembran einsenken, die gewissermassen nur eine mem- branformige Ausbreitung des feinkdrnigen Inhalts der Rohren (des Achsencylinders) ist. An diesen Auslaufern ist mit Sicherheit eine inembrandse Hiille nicht mehr zu unterscheiden; sie scheinen nur aus feinkdrniger Substanz zu bestehen. Mehrmals sah ich in der Nerven- membran bei starkeren Vergrdsserungen stellenweise eine deutliche Querstreifung3) wie am animalen Muskel, ohne jedoch irgendwie Fasern deutlich unterscheiden zu kdnnen. Es ist dies desshalb bemerkenswerth, weil man mehrfach Uebergangsbildungen zwischen Mus- keln und elektrischen Qrganen angenommen hat.4) Bei dieser, wie bei der folgenden Art bietet die Nervenmembran bei schwachern Vergrdsserungen und auffallendem Licht ein ausserst zierliches Ansehen dar, indem sie wie mit lauter weissen Sternchen (den Ganglien- zellen) besetzt erscheint. ') Taf. II. Fig. 4 g. Fig. 5 g. *) S. Taf. II. Fig. 5. I. Fig. 4. 3) Taf. II. Fig. 3. and 5. +) Vgl. Stannius, Zootomie der Fische. 2. Aufl. S. 124. — 33 — 2) Mormyrm anguilloides Geoffr. Bei dieser Art sind die Verhaltnisse im Wesenllichen die gJeichen wie bei M. dorsalis. Das zu den Plattchen tretende Nervenstammchen, welches jedoch hier gleich von Anfang an zwischen Sehnen- und Nervenmembran liegt, vertheilt sich in ahnlicher Weise auf dieselben. Auch hier hort die opake, weisse Beschaffenheit des Nerven. ziemlich plolzlich da aiif, wo die dunkelrandigen Fasern anfangen undeutlich zu werden. Schliesslich treten ganz dieselben Rohren mit feinkornigem Achsenstrang auf, wie bei M. dorsalis und senken sich in runde Locher der Nervenmembran, die hier (wie Knopf- locher) mit einem Wall gesaumt erscheinen, ein. Durch diese Locher durchgetreten bilden die Rohren Anschwellungen, die, wenn auch elwas kleiner, doch im Ganzen ebenso be- schaffen zn sein scliejnen, wie die der vorhergehenden Art, und von welchen nach alien Seiten zahlreiche Auslaufer ausgehen, die nach vielfachen Theilungen und Anastomosen mit anscheinend stumpfen Enden in die Nervenmembran iibergehen, indem deren luhalt sich flachenartig ausbreitet. 3) Mormyrus cyprinoides L. (M. bane Geoffr.) Diese und die folgenden Arten haben namenllich das Gemeinsame, dass die ganglienzellenartigen Anschwellungen der Rohren, so wie die Locher der Nervenmembran, in welchen dieselben gelagert sind, fehlen. — Die an die Platte tretenden Nervenstammchen verlieren auch bei dieser Art bald und zwar ziemlich plotzlich ihre weisse Farbe und opake Beschaffenheit und setzen sich von hier ab als durcb- sichtige zarte Aeste zwischen Sehnen- und Nervenmembran fort. An der genannten Stelle, die, weil die weisse Beschaffenkeit des Nerven gerade. im Winkel einer dichotomischen Theiiung aufhdrt, kolbig erscheint, scheinen die dunkelrandigen Fasern zu enden, und wei- terhin besteht das Nervenstammcheu aus einer Bindegewebehiille und innerhalb dieser aus einer feinkornigen, mit zahlreichen Kernen versehenen Substanz. Dieselbe ist deutlich langs- streifig und macht den Eindruck zahlreicher nebeu und iibereinander liegender feinkorniger Rohren; eine Zerlegung in einzelne solche gelang jedoch nicht. Der genannte feinkomige Strang lasst sich im Nervenstammchen zwischen die dunkelrandigen Fasern hinein und deut- lich eine Str'ecke weit zwischen diesen in der Richtung gegen das Centrum hin verfolgen,1) ein Umstand, der die Marcusen'sche Annahme von Schlingen erklart. Das Nervenstammchen theilt sich in Aeste von ahnlicher Beschaffenheit, und endlich gehen aus diesen Aestchen hervor, welche entschieden nur aus einer Rohre und einer zarten Bindegewebehiille be- stehen. Die Rohren bestehen aus einer strukturloseii mit Kernen besetzten Hiille und ent- halteri, ganz wie bei M. dorsalis, einen Strang feinkorniger Substanz. Die geuannten feinen Aestchen theilen sich hirschgeweihlormig und senken sich endlich, ohne Anschwellungen gebildet zu habeu, von der vordern Seite der Nervenmembrau in diese ein. Dass sie sich als Aeste von noch ziemlich betrachtlichem Durchmesser in die Membran einsenken und ihren Inhalt in diese gleichsam ausgiessen, wird namentlich dann recht deutlich, wenn man die Nerven mit der Nervenmembran von der Sehnenhaut ablest, auf einem Glasplaltchen ausbreitet und dann die ersteren mit einem Pinsel von den Nerven abspult. Die Enden der Nervenverastlung sind dann alle einander ganz gleich, d. i. alle an der Einsenkungsstelle von der Nervenhaut abgelost2), und es hangt sehr oft an ihrem Ende noch ein Lappchen ') Tab. II. Fig. 7. . J) S. Tab. II. Fig. 9 r". — 34 — dieser an, dessen unmiltelbarer Zusammenhang mit dem kornigen Achsenslrang der Rohren sehr deutlich zu sehen ist. Von der hintern Flache der Nervenmembran betrachtet, erschei- nen die Einsenkungsstellen deutlich als rundliche Vertiefungen. Dass die Nervenmembran eine Ausbreitung feinkorniger Grundsubstanz des Nervensystems (GanglienzelleninhalQ ist, scheint mir nach der Analogie mit den Verhaltnissen bei Malapterurus keinem Zweifel unter- worfen und namentlich bei der in Rede stehenden Art ist die flachenartige Ausbreitung des Rdhreninhalts, da die Einsenkung der Aeste schon sehr fruhzeitig slatlfindet, sehr deullich. Bei M. dorsalis, wo sich die Rohren vor ihrer Einsenkung feiner verzweigen, kdnnte eher der Einwurf gemacht werden, dass die feinsten Verzweigungen dem Auge entgangen seien, obgleich auch hier das Yerhallniss nach meiner Ueberzeugung ein ganz ahnliches ist. Wah- rend bei Torpedo die Nerven sich sehr fein verzweigen und nach Kolliker's neuesten Angaben *) die letzten Nervenverzweigungen ein ungemein feines Nelz bilden, ehe sie sich in die Membran einsenken, verschmelzen die Nervenrohren bei M. cyprinoides, wie bei Malapterurus, schoh sehr fruhzeitig mit derselben. In beiden Fallen wird man aber doch mit Bilharz2) die Nervenmembran als ein peripherisches Centralorgan betrachten konnen. 4) Mormyrus oxyrhynchus Geoffr. Bei dieser Art erslrecken sich die dunkelrandigen Nervenfasern etwas weiter gegen die Peripherie als bei der vorhergehenden; wo sie auf- horen sieht man aus ihrer Mitte einen feinkornigen kernhaltigen Strang auftauchen, der nach dem Aufhoren der dunkelrandigen Fasern von ciner ziemlich dicken Bindegewebehiille um- geben weiter zieht und mit dieser die Fortselzung des Nervenstamms bildet. Die Rohren, die schliesslich durch Theilung des genannten Slrangs oder Auflosung desselben in seine Elemente entstehen, sind von derselben Beschaffenheit wie bei den schon beschriebenen Arlen, strukturlos, mil Kernen besetzt und mit einem feinkornigen Inhalt versehen. Die letzten Verastelungen dieser Rohren anaslomosiren vielfach unlereinander und senken sich endlich in ganz ahnlicher Weise wie bei M. cyprinoides in die Nervenmembran ein. Ganz analog scheinen die Verhaltnisse bei Mormyrus elongatus G., jedoch waren die Chromsaurepraparate von dieser Art zu wenig gut erhalten, um dies mit Bestimmtheit aus- sprechen zu konnen. Untersucliungen zur vergleiclienden Geweblehre. Wiirzburger Verhandlungen. December 1856. 1. c. S. 36. 35 — Nachschrift. Nachdem der vorstehende Aufsatz schon gedruckt war, erhielt ich von ^Prof. Bilharz ein Schreiben aus Cairo vom 2. Juli, worin er einige von mir in Betreff des Uebergangs der dunkelrandigen Nervenfasern in die feinkornigen Rohren im elektrischen Organe der Mormyri geslellte Fragen in folgender Weise beantworlet: ,,Ueber den angeregten Punkt," schreibt er, ,,habe ich mich gleich gemacht und habe denn die Ueberzeugung gewonnen, ,,dass die dunkelr.andigen Nervenfasern in der kolbigen Anschvvellung nicht etwa in ,,Schlingen umbiegen, sondern wirklich in das blasse Bundel1) ubergehen. An ., frischen Exemplaren besteht das (von der kolbigen Anschwellung abgehende) Zweiglein ,,aus zwei Hiillen: 1) einer aussern feinfaserigen, bindegewebigen, 2) und 2) einer homo- ,,genen, mit Kernen besetzten, deren Lumen mit einer blassen, feingranulirten Masse gefiillt ,,ist. Bei frischen Praparaten erscheint diese Masse vollig homogen und ist auch keine ,,Spur von Faserung wahrzunehmen. Dagegen ist mir an Chromsaurepraparaten allerdings ,,eine Faserung, vorziiglich an der Ursprungsstelle, deutlich geworden.3) Die feinkornige ,,Masse+) erscheint daher auch mir als ein aus einer Anzahl feiner Fasern zusammengebacke- ,,ner Strang. Was nun den Uebergang der dunkelrandigen Fasern in die Faseru des blassen ,,Bundels betrifft, so habe ich allerdings keinen Uebergaug einer bestimmten dunkeln ,,Faser in eine bestimmte blasse gesehen, da mir, wie gesagt, l,etztere nur etwas schvver ,,getrennt zu sehen gelang. Dagegen habe ich sehr deullich gesehen, dass die dunkelrandi- ,,gen Fasern an das Bundel sich ansetzen. Die Markschicht hdrt plolzlich auf und das ,,Uebrige verliert sich in das blasse Bundel. Ich bemerkte, dass die peripherisch gelegenen ,,Fasern ihre Markschicht spater verlieren als die centralen 5), so dass das blasse Bundel ,,in die kolbige Anschwellung in Form eines .Zapfchens hereinragt. Nach meiner Anschauung ,,ist das blasse Nervenzweiglein ein Bundel zusammengebackener Achsencylinder und schei- ,,nen mir die Achsencylinder der dunkelrandigen Fasern mit den das blasse Bundel bildenden ,,Fasern in Grosse und Aussehen ganz iibereinzustimmen. Letztere erscheinen mir fein und ,,zahlreich, so dass es mir nicbt vorkommt, als bestande ein Missverhallniss in Bezug auf ,,die Zahl. Dagegea scheint mir der Kolben6) viel mehr dunkelrandige Fasern zu enthalten, ,,als der Stamm vor der Anschwellung, und in der That fand ich bei der Zerzupfung zahl- ,,reiche Gabeltheilungen. Die dunkelrandigen Fasern innerhalb des Kolbchens messen %oo//y> ,,deren Achsencylinder Vsoo—Yiooo"'- So bei M. oxyrhynchus, der mir allein zu Gebote ,,stand." 0 Vgl. Tab. n. Fig. 7 r. *) Ibid. b. 0 Vgl. oben S. 33 die Angaben fiber M. cyprinoides L. und Tab. II. Fig. 7. 0 Vgl. Tab. II. Fig. 4. a., Fig. 7 r. 0 Vgl. Tab. II. Fig. 7. 0 Vgl. Tab. II. Fig. 6 u. 7 t. — 37 — tar Tab. I. Grundriss der physiologischen und vergleichend-anatomischen Anstalt im linken Flugel des alten Uni- versitats-Gebaudes. Tab. II. Figur 1 u. 2 sind in natiirlicher Grosse, Figur 8 bei schwacherer, die iibrigen Figuren bei ziemlich starker Vergrosserung gezeichnet. Fig. 1. Linse vom Thunfisch (-Thynnus vulgaris) mit dem Ansafz des ligamentum musculo-capsulare. 1. m. c. ligain. musculo-capsulare, s. ligam. suspensorium lentis, Linse. Fig. 2. Dieselbe mit dem Ansatz des ligamentum suspensorium lentis. Linse, s. ligam. suspensorium lentis. Fig. 3. Nervenmembran aus dem elektrischen Organ von Mormyrus dorsalis Geoffr. von der hintern Seite gesehen mit den Lochern zum Durchtritt der ganglienzellenartigen Anschwellungen. n. Nervenmembran, 1. Locher derselben, g. ganglienzellenartige Anschwellungen der feinkornigen Rohren, g'. Auslaufer dieser und deren Einsenkung in die Nervenmembran. Fig. 4. Eine feinkornige Rohre kurz vor dem Durchtritt durch das Loch der Nervenmembran, ebendaher. r. Strukturlose mit Kernen besetzte Rohre, a. feinkoruiger Inhalt derselben (Achsenstrang), b. Bindegewebe-Hulle derselben, g. ganglienzellenartige Anschwellung der Rohre, n. Nervenmembraa. Fig. 5. Ein zwischen 2 Lochern (1. 1.) gelegenes Stuck der Nervenmembran von demselben Fisch mit stellenweise deutlicher Querstreifung. Fig. 6. Ast des elektrischen Nerven von Mormyrus dorsalis. In t ist die scheinbar kolbig angeschwol- lerie Thejjungs-Stelle, an welcher die dunkelrandigen Primitiv-Fasern (n. p.) aufhoren. In dem von dieser Stelle abgehenden durchsichtigen Aestchen sieht man Streifen feinkorniger Substanz (n'). - ¦ Fig. 7. Ast des elektrischen Nerven von Mormyrus oxyrhynchus G. Bei t horen die dunkelrandigen Nervenfasern n. p. auf und ein aus deren Mitte auftauchender langsgestreifter korniger und mit Kernen besetzter Strang r setzt sich innerhalb der Bindegewebehulle b. allein fort. Fig. 8. Stuck einer Scheidewand des elektrischen Organs von Mormyrus oxyrhynchus G. s. Sehnenmembran, n. Nervenmembran, feinkornig, mit Kernen besetzt, 'n. p. Nervenstammchen, welches an das Septum trite und zwischen beiden Membranen sich ausbreitet, t. Theilungsstelle des Nerven, an welcher die opake Beschaffenheit des Nerven und die dun- kelrandigen Primitivfasern aufhoren und die durchsichtigen Aesfchen mit den feinkornigen Rohren-allein sich' fortsetzen. — 38 — Fig. 9. Endverbreitung einer feinkornisjen Rohre auf der Nervenmembran von Mormyrus cyprinoides L. r. Stamm derselben, n. Nervenmembran, in welche r'. die Endastchen der Rohren sich einsenken; r". sind von der Nervenmembran abgeloste Endastchen, an denen zum Theil noch Bruchstiicke derselben auhangen. Fig. 10. Pflasterepithelzellen aus den halbcirkelformigen Kanalen von Petromyzon Planeri. Fig. 11. Flimmerzellen von Petromyzon PJaneri. — a) Von einem frischen Exemplar, b) Nach Be- handlung mit Chromsaure und Aetznatron. Fig. 12. Flimmerzellen in ihrer natiirlichen Lagerung zwischen den spitz auslaufenden Ersatzzellen. Rechts sieht man zwei Ersatzzellen isolirt. — Fig. 13. Schematische Darstellung des Zusammenhangs der einzelnen Abtheilungen eines Nervenendes. Fig. 14. DarstelluDg des Verlaufs der Nervenfasern in der Bindegewebsfalte, aus der sie sich dann senkrecht erhebeni um zwischen den cylinderformigen Zellen durchzulreten, und nach einer birnformigen Anschwellung fadenformig zu enden. Fig. 15. Fragmente der Nervenendigung. — a) Frei hervorragender Theil der Nervenfaser mit der bipolaren Ganglienzelle. — b) Cylinderepithelzellen. c) Die innerhalb der Bindegewebs- falten verlaufende Abtheilung der Nervenfasern mit der spindelformigen Anschwellung. d) Der zwischen den Cylinderzellen liegende Theil ohne und mit aufsitzendem letzten Nervenende. Fig. 16. Kuglige Kalkconcremente aus dem sackiormigen Anhang. Ta£L Grimdriss der physiologischen mid zootomischen Anslnlt im linken Flugel des alten Universitats-Gebaudes. A. Sammlurio's - Saal. B. d!?. C. Horsaal. D. Arbeitszimmer des Directors. E. dl.° desAssistenten.. F. d*? fiirStudierende. G. Phjsiologlsches Arbeitszimmcr. H. laboratoriuni. J. Terrasse. K. Treppen-Thiirm. 1. Yorplatz. Franciskaner ^ Li.LLl I I I I I I /'¦¦ , 'J' i.nv.c